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Schon in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und schon bevor sich sein Interesse von der physiologischen ab-, der psychologischen Theorie zuwandte, spricht Freud von einem Ich, zum Teil in einem Sinn, der seine erst viel später entwickelte Ich-Psychologie vorwegnimmt. Aber die ausführlichere Ausarbeitung dieses Teiles seines Werkes mußte zu der Zeit, in der er hauptsächlich mit der Entwicklung anderer psychoanalytischer Aspekte beschäftigt war, zurückgestellt werden. Die gesamte revolutionäre Arbeit jener Jahre behandelte das Problem der Persönlichkeit auf eine Weise, die wir heute als Untersuchung des Es bezeichnen würden. Es wurde somit in der Psychoanalyse ein breites Fundament von Tatsachen und Hypothesen geschaffen — welche die Gesetze des Ablaufes unbewußter seelischer Prozesse, die Eigenschaften und die Entwicklung der Triebe und die psychischen Konflikte betreffen —, dessen Fehlen ein schwerwiegendes Handicap für die voranalytische Psychologie gewesen war. Die Tatsache, daß Freuds Erforschung des Es der Schaffung einer Struktur-Psychologie vorausging, ist in der Tat eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Psychologie1.
Als dann Freud, nach einer Periode verhältnismäßig latenten Interesses am Ich, in den frühen zwanziger Jahren eine explizite Ich-Psychologie als ein Kapitel der Psychoanalyse zu begründen begann, wurde dieser Schritt ermöglicht, und in der Tat notwendig, durch das Zusammentreffen inzwischen erworbener klinischer, technischer und theoretischer Einsichten. Heute wird diese Phase in der Entwicklung der Ich-Psychologie von den meisten Analytikern als ein wesentlicher Bestandteil ihres theoretischen und praktischen Denkens akzeptiert. Sie hat auch viele frühe Hypothesen auf anderen Gebieten der Psychoanalyse stark beeinflußt, z. B. auf dem Gebiet der Technik, der Angsttheorie oder der Theorie der Triebe. Trotzdem gewinnt man den Eindruck, daß Freud selbst seine Formulierungen aus dieser Zeit eher als einen kühnen Vorstoß in