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Vom Gesichtspunkt der psychoanalytischen Interpretation her gesehen, erscheinen viele Theorien und Befunde der Soziologie zweideutig; andrerseits werden von den Soziologen gewisse Aspekte psychoanalytischer Befunde und Theorien, so wichtig sie auch für das Studium der Einzelperson sein mögen, für belanglos gehalten. Zum gegenseitigen Verständnis wäre es wünschenswert, eine gemeinsame begriffliche Sprache zu schaffen oder soziologische Probleme auch nach ihrer psychologischen Bedeutung zu definieren und, wie Parsons es zum Ausdruck brachte, psychologische Probleme in direkter Beziehung zu der sozialen Struktur zu formulieren.
Gewiß, wenn beide Wissenschaften sich mit etwas beschäftigen, was als der gleiche Gegenstand erscheint, brauchen die wesentlichen Faktoren nicht die gleichen zu sein, und die Zentren fruchtbarer Interessen müssen nicht unbedingt zusammenfallen. Der Psychoanalytiker mag gewisse Merkmale, die die Soziologen interessieren, als für seine Zwecke nicht so bedeutend ansehen; Soziologen mögen auf gewissen Gebieten der Sozialwissenschaften stichhaltige Voraussagen machen, ohne auf die Gesamtpersönlichkeiten von Individuen Bezug zu nehmen. Solche Voraussagen werden sich höchstwahrscheinlich am ehesten dort als richtig erweisen, wo die soziale Handlung überwiegend durch das bewußte oder vorbewußte Ich (Waelder, 1936) bestimmt ist, wie etwa bei einer rationalen Handlung oder einer Handlung, die solchen Ich-Interessen folgt, die wir mit Wahrscheinlichkeit bei dem durchschnittlichen Mitglied einer bestimmten Gruppe voraussetzen können. Ein klares Beispiel dafür ist die Wirtschaftstheorie.
Aber es gibt andere soziale Handlungen und Funktionen, bei denen man sich nicht auf solche einfachen psychologischen Modelle verlassen kann, wenn man gültige Voraussagen machen will. Solche Modelle werden sich dem Soziologen dort als nutzlos erweisen, wo andere Funktionen der Persönlichkeit jenseits der rationalen oder Ich-Interessen in einer Weise mitspielen, die dynamisch e