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Als vor ungefähr 45 Jahren Freud zum ersten Male über „das philosophische Interesse“ an der Psychoanalyse schrieb , lautete seine Hauptthese, daß die Philosophie es nicht vermeiden könne, in ausgiebigster Weise zur Kenntnis zu nehmen, was er damals „die Aufstellung der unbewußten Seelentätigkeiten“ nannte. Er erwähnte auch, daß Philosophen vielleicht an der psychoanalytischen Deutung von philosophischen Lehren interessiert sein könnten, und fügte hinzu, wie er es auch andernorts tat, daß die Tatsache der Determinierung einer Theorie oder Lehre durch die verschiedenartigsten psychischen Prozesse keineswegs deren Wahrheitsgehalt entkräftet. Seither hat sich die Kenntnis menschlichen Verhaltens und menschlicher Motivation, die wir der Psychoanalyse verdanken, um vieles vermehrt und ist zugleich um vieles umfassender und spezifischer geworden. Die seitherige Entwicklung der Psychoanalyse hat sicher nicht nur die Soziologie, Anthropologie und Medizin, sondern auch die Philosophie im weiteren Sinne beeinflußt. Dies bedeutet aber nicht, daß die Psychoanalyse eine „Lösung“ sogenannter philosophischer Probleme gibt, obwohl mit ihrer Hilfe das entsprechende Problem unter einem neuen Gesichtspunkt betrachtet werden kann. Von manchen dieser Möglichkeiten hat man aber bisher nur einen ungenügenden Gebrauch gemacht. Ich denke dabei an den Beitrag, den die Psychoanalyse z. B. zu einem besseren Verständnis ethischer Probleme leisten könnte. Die Psychoanalyse kann für Philosophen offenr in zweierlei Hinsicht interessant sein: einerseits durch die neuen psychologischen Entdeckungen und Theorien der Psychoanalyse, andererseits aber auch wegen bestimmter methodologischer Fragen, die durch die Art und Weise der wissenschaftlichen Erforschung des Menschen, wie sie von Freud und anderen Psychoanalytikern geübt werden, aufgeworfen worden sind.
Wenn man von der Psychoanalyse spricht, denkt man gewöhnlich an eine Behandlungsmethode. Man mag auch eine Methode der psychologischen Untersuchung,