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In einer hochdifferenziert arbeitsteiligen Gesellschaft wie der unseren sollte man einen Autor nicht wie eine produzierende Monade betrachten. Dieser vom Geniekult auf den Normalfall übertragenen Vorstellung ist abzuschwören. Wissenschaftliche Produktivität steht heute unausweichlicher als in früheren Zeiten unter dem Zwang der spezialistischen Arbeitsbedingungen, die sie vorfindet.
Im Verlauf ihrer Entwicklung ist die psychosomatische Medizin als Teil einer mit psychologischen Mitteln arbeitenden Medizin auf langdauernde entschiedene Ablehnung in der organischen, d. h. am Substrat sich orientierenden Medizin gestoßen.
Das bedeutet, daß der Psychotherapeut ein Außenseiter geblieben ist; in die diagnostischen und therapeutischen Arbeitsvorgänge einer Klinik wird er selten einbezogen. Seine Stellung im Ganzen der Medizin ist besonders problematisch.
Die nachfolgende Rezension will über den Einzelfall des zu besprechenden Buches hinaus wieder einmal auf die soziologischen Zusammenhänge aufmerksam machen, in denen Psychotherapie an den deutschen Universitätskliniken geschieht.
Der Rezensent behandelt das ihm vorliegende Buch als eine typische Publikation aus der gegenwärtigen deutschen akademischen Psychotherapie, und er spricht auch von Universitätskliniken, als ob sie in bezug auf Wertorientierungen, Kompetenzverteilung, Prestigeskalen und ähnliches vergleichbar wären. Die individuellen Variationen mögen groß sein; die Arbeitshypothese lautet, sie seien nicht so groß, daß eine typische Einheitlichkeit gesprengt würde, ihr wird vielmehr ein bedeutender prägender Einfluß zugeschrieben, durch den bestimmte Repräsentanten gefördert, andere ausgeschaltet werden.
Die klinische Beobachtung, von der das Buch berichtet, bezieht sich auf „etwa 1000 Frauen mit neuroseverdächtigen Symptomen“. Knapp ein Drittel dieser Patientinnen der Klinik und Poliklinik der Universität Würzburg, genau 308, waren