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Der dritte Band des Jahrbuches erscheint in einem anderen Verlag und in anderer Ausstattung als die beiden ersten Bände. Im Vorwort weisen die Herausgeber unter anderem darauf hin, man habe noch Ende der fünfziger Jahre geglaubt, schreiben zu dürfen, „Es gibt in Deutschland keine Psychoanalytiker mehr, oder nicht mehr das, was Freud als Psychoanalytiker bezeichnete“. Diese Totsagung aus der Sicht des parteiischen „Handbuches der Neurosenlehre und Psychotherapie“ war schon damals falsch und wird auch durch das vorliegende Jahrbuch widerlegt.
Die allgemeinen und theoretischen Beiträge beginnen mit einer Abhandlung „Über Orgasmus und Frigidität“ von Therese Benedek (Chicago). „Sexuelle Reite“ bedeute mehr als physiologisches Funktionieren des „Genitalprimats“; sie kennzeichne die Stufe der Persönlichkeitsentwicklung, auf der das Individuum fähig sei, seine sexuellen Bedürfnisse in Übereinstimmung mit den Forderungen der Kultur, in der es aufgewachsen ist und in der es lebt, zu befriedigen. Orgasmus sei ein ganzheitliches Erleben, wobei die Persönlichkeit der Frau, die Annahme der sogenannten „weiblichen Rolle“, darüber entscheide, ob die sexuelle Erregung, sei sie klitorial oder vaginal, sich ausbreite und dann als „vaginaler“ Orgasmus erlebt werde. Histologische Untersuchungsergebnisse (J. Marmor, Psychosom. Med. 16, 1954) werden angeführt und dabei darauf hingewiesen, daß noch etwas mehr als anatomische und physiologische Gegebenheiten, nämlich emotionale Faktoren, eine Rolle spielen und, verstärkend oder verringernd, auf das Erleben des Geschlechtsaktes bei der Frau einwirken. Frigidität wird von der Verfasserin als ein komplexer Abwehrmechanismus gegen Ängste, die ein vollständiger Orgasmus mobilisieren würde, betrachtet. Während Frauen früherer Generationen ihre geschlechtlichen Bedürfnisse verleugneten, akzeptierte sie die moderne Frau und betrachtete sie als etwas, was ihrer eigenen Verantwortung unterliege. Dementsprechend verleugnet sie ihre Frigidität, weil si