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Es kommt vor, wenn auch selten, daß einem Fischer ein lebendes Fossil in sein Netz gerät, ein Fisch, der seit Jahrhundertmillionen tatsächlich unverändert geblieben ist. Vermutlich wird der Fischer dann ungläubig staunen. Ähnlich erging es mir, als ich dieses Buch zur Besprechung bekam.
Das Buch „Instinkte und Urinstinkte in der menschlichen Sexualität“ hat eine doppelte Beziehung zur Vergangenheit: es handelt erstens von Urinstinkten und es ist zweitens ein Werk, das vom Strom der Zeit praktisch unberührt (oder ihm trotzend?) eine verblüffende Ursprünglichkeit bewahrt hat.
Der Autor, o. Professor der Psychiatrie und Neurologie und Direktor der Universitäts-Nervenklinik der Charite, Berlin, ist der Auffassung, daß im Verständnis sexuller Abnormitäten bisher noch kaum irgendwelche Fortschritte erzielt worden sind. „Man fragte zu wenig danach, wie die Sexualität des Menschen wohl in Urzeiten einmal ausgesehen haben mag.“ Folglich fragte er danach — und hatte Erfolg. Im Laufe seiner Befragungen („oft nur einem einzigen, wenn auch sehr ausführlichen Gespräch“) von 194 Patienten, in denen er die Richtung ihrer sexuellen Neigungen festzustellen suchte,