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Der Autor nimmt vom Standpunkt der Pädagogischen Psychologie zu brennenden Gegenwartsfragen der Bildung und Erziehung Stellung, u. a. zu diesen: Wird unser Schulsystem einer allseitigen Begabungsförderung gerecht? Verbleiben in der Volksschule „unentdeckte“ Begabungsreserven? Das Buch läßt sich eine Untersuchung des Problems, wie die Volksschule dem mittelmäßig begabten Kinde gerecht Werden könne, besonders angelegen sein.
Begabung wird als Grundbedingung und als „Ergebnis einer Begegnung mit dem persönlichen Schicksal und mit der Umwelt“ verstanden. Der Autor weitet das Blickfeld der im „Dienste an der werdenden Persönlichkeit Stehenden“, indem er detailliert nachweist, es gebe nicht nur Begabungsgrade, sondern auch besondere Ausformungen der Begabung durch Richtungstendenzen. Der Intelligenz kommt die Bedeutung einer Kernfunktion der geistigen Begabung zu. Einem — in der Pädagogischen Psychologie u. E. noch nicht überwundenen — statischen vermögenspsychologischen Denken baut Mierke vor, indem er aufweist, daß sich in jedem Begabungs-gefüge „die einzelnen Teilstrukturen und dynamischen Komponenten in der Auseinandersetzung mit Umweltreizen und Prägekräften entwickeln, ausformen und verfestigen. Das gilt für das Ausreifen der anlagehaften Kernintelligenz mit ihren Grundeigenschaften (u. a. Kapazität, Elastizität) zur dispositionellen Intelligenz, und das gilt auch für ihre Stützfunktionen“ (u.a. Gedächtnis, Phantasie, Interessen, Wertbindungen). Die Beachtung sowohl des Intelligenzniveaus als auch des Reifegrades und der individuellen Antriebsstruktur erlaubt eine Aussage über die Bildbarkeit des einzelnen Kindes. Bildbarkeit ist nach Mierke nicht nur Ergebnis von Umweltwirkungen und Anpassungstendenzen, sie ist auch Integral schöpferischer Kräfte der individuellen Seele. Der Autor ist sich bewußt, daß die verwendeten Begriffe (in der Mehrzahl der Funktionspsychologie entstammend), die zu einem Vorstellungsmödell über das Regulationssystem von Begabung und Bildung zu