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Vor allem aus historischem Interesse greift der Leser zu einem Buche, das in dieser Form bereits 1925 vorlag. Man beginnt sich auch zunächst etwas mühsam durch pathetische Sätze hindurchzulesen, die den Stil des großen pädagogischen Aufbruchs der 20er Jahre atmen. Wenn der Altmeister der deutschen Heilpädagogik aber ins einzelne geht und die lebendigen Krücken beschreibt, die er sich bei seinen sorgfältigen Beobachtungen für das motorisch schwache, das aufmerksamkeitsschwache, das gedächtnisschwache, das gefühls-und willensschwache Kind hat einfallen lassen, dann erhalten seine grundsätzlichen Gedanken eine ungewöhnliche Lebendigkeit. Aus jeder Zeile spricht das Mühen und Sorgen, die Zuwendung und Liebe zum geschädigten Kind, ohne die alle Heilpädagogik leer bleibt.
Das eigentliche Anliegen des Buches ist das Wie der Hilfe, die Methodik der kleinsten Schritte, die immer wieder gestützt sein wollen, die gradweisen Hilfen, die stets dem gegebenen Augenblick anzupassen sind. Der Weg über die Gewöhnung zur größeren Freiheit durchzieht die „geistorthopädischen Übungen“, die der Verfasser angibt und die auch den Leser zu neuen Einfällen verleiten.
Der mit dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens vertraute Fachmann wird hier und da kritische Anmerkungen zur Hand haben. Er erstaunt jedoch gelegentlich darüber, wieviel der Praktiker Lesemann schon von dem in den Griff bekommen hat, was sich erst heute als Ergebnis empirischer Forschungsarbeit herauskristallisiert. Das gilt z. B. für den synthetischen Leseunterricht, zu dem die Hilfsschule heute nach langem Abwägen zurückkehrt.
Dieses 38 Jahre alte Buch ist nicht nur historisch interessant. Es bleibt ein lebendiger Aufruf sowohl an den modernen Heilpädagogen wie an den Lehrer überhaupt, sein erzieherisches Tun immer wieder dem einzelnen Kinde anzupassen, um ihm besser gerecht zu werden, als die alte Schule es vermochte. Dieser mit der Heilpädagogik gewachsene Grundsatz ist ein Hauptstück einer allgemeinen Schulreform, von der