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Vor etwa fünfzig Jahren — am 15. Mai 1912 — fand in Stockholm eine ungewöhnliche Prozession statt: Zehntausende (Mc Gill 1930) zogen schweigend hinter einem Leichenwagen her. Es handelte sich nicht um das Begräbnis eines Königs oder eines Kriegshelden, sondern um das eines Einzelgängers, der sich seit langem den zudringlichen Blicken seiner Mitmenschen entzogen hatte; um jemand, der sich ein Ausgestoßener dünkte, dessen bloßer Name die heftigsten Anfeindungen hervorgerufen hatte und der eine Zielscheibe für Kritik und Verachtung gewesen war. Schweden beklagte den Verlust eines seiner bedeutendsten Söhne, den zu verehren es schließlich gelernt hatte ungeachtet seiner Angriffe, seines Starrsinns und seiner geistigen Abnormität. Was läge näher, als auf der ersten psychoanalytischen Tagung in dieser Stadt, in der er geboren wurde und in der er starb, dieses Mannes zu gedenken, der noch vor Freud die tiefsten Tiefen des Unbewußten zu erforschen suchte, der den Ödipuskomplex erkannte und erforschte und der ein Vermächtnis der Selbstenthüllungen in Gestalt von Autobiographien und Schauspielen hinterließ, das uns in einmaliger Weise einen Einblick in das Wesen der Schizophrenie und der integrierenden und desintegrierenden Kräfte vermittelt, die auf das Ich einwirken3.
Ich habe mich seit langem für Strindberg interessiert als einem begnadeten Dramatiker, der Tragödien von bleibender Aussagekraft schuf; er verdient auch, daß man sich mit ihm beschäftigt als einem, der mit den Mitteln der Selbsterforschung, der Katharsis und der schöpferischen Befähigung, sich und seine Welt auf der Bühne wieder zu erschaffen, dem Inferno einer unverkennbaren Schizophrenie entstieg, und als einem, der soweit wieder gesundete, daß er die Reihe seiner „Traumspiele“ zu schreiben vermochte, die zum Vorbild des zeitgenössischen existentialistischen Theaters geworden sind.
Wir müssen nicht befürchten, in den persönlichen Bereich eines toten, wehrlosen Genies einzudringen. Strindberg war ebensosehr Wis