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Diese Betrachtungen über das Leben und die schöpferische Kraft des großen französischen Schriftstellers Honoré de Balzac sollen veranschaulichen, wie vorsichtig man sein muß, wenn man etwas über die zukünftige Entwicklung von Kindern voraussagt, die in ihrer ersten Kindheit vernachlässigt wurden, vor allem dann, wenn wir solche Kinder in einer Übergangsphase sehen, z. B. in der Pubertätszeit.
Wir wollen uns in einer anachronistischen Phantasie einmal folgendes vorstellen: Balzacs Eltern gehen mit ihrem ältesten Kind in eine Child Guidance Clinic, und sie haben allen Grund dazu. Ihr Junge wird im Alter von vierzehn Jahren aus einem sehr strengen römisch-katholischen Institut, dem Collège Vendôme, nach Hause geschickt, und zwar in einem ziemlich bejammernswerten Zustand: Äußerst abgemagert und in einem Dauerstupor, in dem er auf Angesprochenwerden nicht reagiert und selber kaum spricht.
Seine Lebensgeschichte (1, 2, 3, 4, 5) ist die eines ungewollten, ungeliebten Kindes. Als ältestes von vier Kindern einer jungen Mutter und eines alten Vaters, die bei seiner Geburt 21 und 53 Jahre alt sind, wird er sofort nach der Geburt in die Obhut einer Pflegerin gegeben und bleibt dort, ohne jeglichen Kontakt mit seinen Eltern, bis er drei Jahre alt ist. Eine jüngere Schwester, Laure, wird in der gleichen Pflegefamilie untergebracht. Die Kinder, nach denen niemand fragt, sind im Dorf Gegenstand des Mitleids. Als Honoré im Alter von drei Jahren nach Hause zurückkehrt, wird er zum Objekt der Ambivalenz seiner Mutter; er wird für die Fehler der anderen Kinder bestraft und beginnt bereits, Bestrafung zu suchen.
In seinen Briefen und Schriften kommt er oft auf diese Periode zurück und spricht von der Verfolgung, der er sich ausgesetzt fühlte — abgeschnitten von aller Zärtlichkeit. Dabei entsteht seine eindrucksvolle Beschreibung eines vernachlässigten Kindes: „Da ich immerzu neues Leiden erwartete, so wie Märtyrer den nächsten Schlag erwarten, drückte mein Wesen eine traurige Resignation