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Im Jahre 1911 erschien die Monographie „Dementia praecox oder Gruppe der Schizophrenien“ als ein Band in Aschaffenburgs Handbuch. Der Autor war Eugen Bleuler. In diesem Werk führte Bleuler den Begriff Schizophrenie ein, der seither die psychiatrische Welt erobert hat; aber nicht nur diese: Die Schizophrenie bezeichnete fortan ein menschliches Schicksal, das wegen seiner Häufigkeit, seines oft schlimmen Ausganges, seiner Komplexität und Rätselhaftigkeit die Menschen beunruhigt und fasziniert.
Eugen Bleuler lieferte für dieses Schicksal nicht nur einen Namen. Obwohl er auf der Arbeit Kraepelins und vieler anderer aufbaute, revolutionierte er unser Denken über diese Störung. Er wendete zentrale Ideen Freuds auf das an, was er in 27 Jahren psychiatrischer Praxis beobachtet und gelernt hatte. So brachte er das, was Kraepelin für die Dementia praecox als wesentlich erachtet hatte, in eine klarere Perspektive, transzendierte und negierte aber zugleich vieles von Kraepelin Beschriebene.
Bleuler unterschied die Primärsymptome, die er als spezifisch für die Schizophrenie ansah, von den Sekundärsymptomen, die audi anderweitig vorkommen. Die spezifischen Primärsymptome fand er in einer charakteristischen Störung der Assoziation und Affektivität, einem Überwiegen der Phantasie gegenüber der Realität bei gleichzeitiger Intaktheit und Verfügbarkeit solcher Funktionen wie Wahrnehmung, Gedächtnis und Orientierung. Er wies damit — und das ist wesentlich — den mehr ins Auge springenden Symptomen und gebräuchlichen Indikatoren der Verrücktheit wie Wahnideen, Halluzinationen, groben Stereotypien usw. den Status von Sekundärsymptomen zu.
Dieser Einteilungsgesichtspunkt wurde nicht willkürlich gewählt. Er zwang sich Bleuler auf, als er die schizophrene Störung auf einer ungleich feineren, mehr mikroskopischen Ebene untersuchte, als dies bis dahin geschehen war. Bei solcher Untersuchung fügte sich die Störung jedoch fast unversehens in das Panorama geläufiger menschlicher Erfahrung ein: Bleul