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Im Umgang mit seelischen Phänomenen kann sich der Psychoanalytiker auf eine Reihe allgemeiner Erkenntnisse und Erfahrungen stützen, er muß aber auch über gewisse individuelle Fähigkeiten verfügen. Neben Persönlichkeits-faktören spielen Empathie, Intuition und psychologische Begabung eine wichtige Rolle. Die Hervorhebung dieser Anteile ist gewiß berechtigt; man muß sich aber davor hüten, die Bemühungen um das Verstehen des Patienten im Rahmen eines Lern- und Erfahrungsprozesses am Einzelfall und in einer umschriebenen Situation zu gering einzuschätzen. Die mit Recht so vielzitierte Geduld des Analytikers ist eine wesentliche Voraussetzung für diesen Prozeß, der sich erst allmählich entfalten kann, um den impulsiven Verstehensdrang in die weitverzweigten Kanäle der Problematik eines Patienten hineinsickern zu lassen.
Die nur langsam wachsende und immer wieder neue Erfahrung bereitet dem Analytiker zum Beispiel in Fallseminaren Schwierigkeiten, weil das Materialangebot in den Diskussionsteilnehmern Phantasien und Vorstellungen erweckt, von deren Fülle der Berichtende sich überflutet fühlt und die er häufig nicht mit seinem Erleben an diesem Patienten in Einklang bringen kann. Der Anstoß zu diesen Phantasien geht im allgmeinen mehr von der Darstellung aus als von der konkreten Situation, in der sich beide zum jeweiligen Zeitpunkt befanden, d. h. das Hier und Jetzt wird häufig außer acht gelassen. Hier liegt ein Kernproblem der Fallseminare; denn über eine gewisse Kontrollfunktion gegenüber technischen Problemen hinaus können die über den Patienten entwickelten Phantasien nur Angebote an den Analytiker sein, von ihnen Gebrauch zu machen, wenn die Konstellation der nächsten Stunden ihre Verwendung zum Verständnis der momentanen Vorgänge zuläßt. Mit anderen Worten, die mehr oder weniger einfallsmäßig gewonnenen Phantasien müssen erst wieder in die kontinuierlichen Geschehenszusammenhänge des fortlaufenden Prozesses eingefädelt werden.
Das oberflächliche Erlebnis des Patiente