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Die folgenden grundsätzlichen Betrachtungen wurden durch das Erscheinen eines Buches angeregt, das sich unter dem Titel „Fortschritte der Psychoanalyse“ als erster Band eines internationalen Jahrbuches „zur Weiterentwicklung der Psychoanalyse“ anbietet. Was dieser Veröffentlichung und vielen anderen Publikationen, die sich mit mehr oder minder ausreichender Sachkenntnis der Psychoanalyse zuwenden, offensichtlich immer wieder große Schwierigkeiten bereitet, ist der Begriff der sogenannten „Orthodoxie“ im Hinblick auf die Psychoanalyse. Die unkritische Verwendung dieses Begriffes geht meist von der Voraussetzung aus, daß „Orthodoxie“ mit „Fortschritt“ oder „Weiterentwicklung“ in jedem Falle unvereinbar ist. Diese Sachlage macht es nötig, zu untersuchen, was man mit „Orthodoxie“ im Hinblick auf die Psychoanalyse sinnvollerweise sachlich meinen kann, um dann besser die polemisch unterstellenden Anwendungen verstehen zu können.
Wenn man „Orthodoxie“ als „Rechtgläubigkeit“ versteht, dann erscheint es absurd, diesen Begriff auf eine Erfahrungswissenschaft anzuwenden. Gerade diese offensichtliche Absurdität eines orthodox-dogmatischen Verfahrens im Bereich der empirischen Wissenschaft düfte wohl auch der Grund sein, warum in vielen Fällen von „orthodoxer Psychoanalyse“ u. ä. die Rede ist: hier liegt die polemischdiffamierende Absicht ziemlich klar zutage. Da jede wissenschaftliche Theorie ja nur ein Mittel ist, um ein bestimmtes Erfahrungsmaterial möglichst ökonomisch, das heißt, sparsam und ergiebig, zu ordnen und in einer Weise zu erschließen, die weiteren Fortschritt des Erkennens ermöglicht, ist orthodoxe Dogmatik in ihrem Bereiche ausgeschlossen. Im Gegenteil: Wissenschaft ist zuweilen durch eine Vielfalt theoretischer Ansätze, die hinsichtlich ihrer Nützlichkeit für die Verarbeitung eines bestimmten Erfahrungsmaterials miteinander konkurrieren, gekennzeichnet. Wer die Geschichte der Psychoanalyse auch nur halbwegs kennt, weiß, wie wenig „orthodox“ — d. h. dogmatisch —