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Es ist nichts Ungewöhnliches, daß geniale Menschen in ihren persönlichen Beziehungen unglücklich sind und nie die ihnen vorschwebende Erfüllung finden. Wir kennen aus den Biographien schöpferischer Geister zahlreiche Beispiele gescheiterter oder abgeirrter Liebesbindungen. Die von den Autoren E. und R. Sterba dargestellte einzige als Liebesbeziehung zu wertende Bindung Beethovens an seinen Neffen Karl gehört in das Gebiet der Pathographie. Das Ehepaar Sterba, beide glühende Bewunderer der Beethovenschen Kompositionen, besuchte kurz vor der Emigration die zahlreichen Wohnungen des Künstlers aus der Wiener Zeit. Die von den kleinen Leuten dort tradierten Erinnerungen an den großen Mann kontrastieren so erstaunlich mit dem Heroenkult der meisten Biographen, daß sie den Entschluß faßten, diesen Widersprüchen mit den Mitteln der Psychoanalyse nachzugehen.
Das Drama beginnt mit dem zweiten Akt, Beethovens Wiener Zeit. Der erste Akt, nämlich die Kindheit, von der wir wissen, daß in ihr die wesentlichsten Verhaltensmuster eines Menschen geprägt werden, wird kaum berührt, und zwar einzig aus dem Grund, daß kaum Quellen vorhanden sind. Zu Beginn der Wiener Zeit ist das Liebesverhalten des jungen Ludwig schon festgelegt und wird von den Autoren mit guten Gründen als mütterliche Liebesform bezeichnet, mütterlich in der ambivalenten Weise, die das Liebesobjekt als seinen ausschließlichen Besitz ansieht. Später greift diese Tendenz auch auf den Besitz von Geld über, Beethoven ist in seinen reiferen Jahren von ständiger Verarmungsangst geplagt und greift sogar zu nicht ganz aufrichtigen Mitteln, um seine materielle Sicherheit zu stärken. Wie es zu diesem unreifen sexuellen Verhalten kam, erfahren wir aus den obengenannten Gründen nicht. Wir wissen lediglich, daß das Ehe- und Familienleben der Eltern unglücklich war. Der Vater starb als Trinker, die Mutter war von der Ehe enttäuscht, was aus einem vor der Heirat warnenden verbitterten Brief an eine Freundin geschlossen werden kann.