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Im Spätherbst des Jahres 1912 kam Lou Andreas-Salomé nach Wien, um sich dort für einige Monate dem Studium der Psychoanalyse zu widmen. Das Tagebuch, das sie in den Jahren 1912/13 führte, wurde aus dem Nachlaß vor einigen Jahren von Ernst Pfeiffer unter dem Titel „In der Schule bei Freud“ herausgegeben. Jetzt wurde es wegen seiner Bedeutung, die es als Dokument der Frühzeit der Psychoanalyse hat, von dem amerikanischen Analytiker Stanley A. Leavy ins Englische übertragen. Leider muß der englische Leser auf die ausführlichen Anmerkungen verzichten, die der deutschen Ausgabe hinzugefügt sind und Lektüre sowie Verständnis häufig erleichtern; die Anmerkungen der englischen Ausgabe sind wesentlich kürzer gehalten.
Was uns aber veranlaßt, auf die englische Ausgabe mit Nachdruck hinzuweisen, ist die 27seitige Einleitung, die Leavy geschrieben hat. Er gibt einen gedrängten Abriß des Lebens und der Beziehungen Lou Andreas-Salomés unter analytischen Gesichtspunkten und würdigt ihre Stellung und Bedeutung in der Psychoanalytischen Bewegung. Nach der jüngst erschienenen unbefriedigenden Biographie von Peters und bei dem Interesse, das noch immer für diese faszinierende Frau lebendig ist, stellt Leavys Würdigung eine wirkliche Bereicherung des Schrifttums dar.