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Es erscheint in vieler Hinsicht ebenso gewagt wie überflüssig, daß sich ein Kongreß mit dem Thema „Übertragung und Gegenübertragung“ beschäftigt. Überflüssig, weil seit Anna O. tlas psychoanalytische Schrifttum und zahlreiche Kongreßberichte den Gegenstand wieder und wieder diskutiert haben (D. W. Orr, 1954, E. R. Zetzel, 1956, R. A. Spitz, 1956/57, G. Scheunert, 1957/58), gewagt, weil zu fürchten ist, daß längst Bekanntes wiederholt wird. Aber uns will scheinen, es gäbe drei triftige Gründe, die die ständige und immer erneute Behandlung des Themas gebieten:
1. Übertragung und Gegenübertragung sind Vorgänge, die in der psychoanalytischen Lehre vom menschlichen Verhalten und Gebaren eine wahrhaft zentrale Stelle einnehmen. Sie sind die entscheidenden Determinanten der psychischen Vorgänge sowohl im Hinblick auf deren Genese wie im Hinblick auf ihre aktuelle Struktur und Dynamik. Ja, man kann noch weiter gehen und sagen, psychisches So-Sein und zwischenmenschliches Verhalten sind gleichsam die manifesten, die beobachtbaren Ausgestaltungen oder Niedersdiläge einer Felddynamik, deren Kraftlinien vom Spiel der Übertragung und Gegenübertragung gezogen werden. Letztlich hängt das damit zusammen, daß beim Menschen die mitgebrachten Triebfragmente ihr Ziel nur adäquat erreichen entweder durch Vermittlung des Objektes oder direkt am Objekt bzw. im Objekt, also nicht durch allein vom Reifungsgeschehen abhängige Instinkthandlungen ablaufen.
Ich spreche von adäquater Erreichung des Triebzieles, um anzudeuten, daß nicht eine bloße Entspannung der aufgestauten Triebenergie gemeint ist, sondern das „psychische Wirksamwerden“ des Triebes
Nun wissen wir, „… auf dem Wege von der Quelle zum Ziel wird der Trieb psychisch (von Ref. hervorgehoben) wirksam“ (S. Freud, 1933, 103). Auf diesem Weg aber gewinnt das Objekt Einfluß. Nicht daß es den Trieb, oder besser die Triebenergie, erschafft. Hier ist ein biologischer Grund gelegt. Nicht, daß die Entladung der Triebspannung