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Wir haben es hier nicht mit Geschichtsschreibung, sondern mit einem Dokument aus der Geschichte der Psychoanalyse zu tun. Es wird von Männern die Rede sein, die — mit Ausnahme der zentralen Figur Sigmund Freuds — heute kaum noch bekannt sind. Wir hören von der ersten Gruppenbildung in der Psychoanalyse, von den Anfängen organisierter Arbeit der Psychoanalytiker und von einer Funktion Freuds, mit der wir wenig vertraut sind: seiner Tätigkeit als Leiter und Lehrer seiner Gruppe.
Der erste Band der „Sitzungsprotokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“ erschien im Jahre 1962 in englischer Sprache. Was ich hier davon mitteilen werde, mußte daher ins Deutsche zurückübersetzt werden, eine recht unbefriedigende Arbeit. Der Band berichtet von der Tätigkeit der „Psychologischen Mittwochs-Gesellschaft“, die sich schon im Jahre 1902 um Freud gebildet hatte und im Jahre 1906 Sitzungsprotokolle zu führen begann. Im Jahre 1908 beschloß die „Gesellschaft“, sich in „Wiener Psychoanalytische Vereinigung“ umzubenennen, und bei diesem Namen ist es bis heute geblieben.
Die Publikation wird drei Bände umfassen; sie wird von Dr. med. Hermann Nunberg und Dr. jur. Ernst Federn herausgegeben. Hermann Nunberg erwarb die Mitgliedschaft der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung im Jahre 1913; er ist nunmehr unser jüngster Achtzigjähriger, durch seine klinischen Schriften und seine „Allgemeine Neurosenlehre“ wohlbekannt. Der viel jüngere Ernst Federn ist der Sohn des im Jahre 1950 in New York verstorbenen Dr. Paul Federn, der dem Freud-Kreis seit dem Jahre 1903 angehörte.
Beim Lesen des Vorworts fühlt man die Genugtuung und den Stolz der Herausgeber, nunmehr eine Mission erfüllt zu haben, die ihnen von Paul Federn kurz vor seinem Tode anvertraut worden war. Paul Federn sagte, daß er die Sitzungsprotokolle von Freud empfangen habe, als beide Männer im Jahre 1938 die Flucht vor den Verfolgern in Wien vorbereiteten.
Die Sitzungsprotokolle sind das Werk des zur Zeit ihrer Abfassung noch sehr ju