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„Wir mögen noch so oft betonen, der menschliche Intellekt sei kraftlos im Vergleich zum menschlichen Triebleben, und Recht damit haben. Aber es ist doch etwas besonderes um diese Schwäche; die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat. Am Ende, nach unzählig wiederholten Abweisungen, findet sie es doch. Dies ist einer der wenigen Punkte, in denen man für die Zukunft der Menschheit optimistisch sein darf, aber er bedeutet an sich nicht wenig.“ Diese Bemerkung Freuds könnte dem neuesten Buch Mitscherlichs: „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ als Motto dienen. Denn dieses Buch wirbt für „die Stimme des Intellekts“. Nicht nur die herrschende Schicht, auch die Masse, meint Mitscherlich, brauche statt fatalistischer Gefolgstreue und blindem Autoritätsgehorsam ein kritisches Orientierungsvermögen. Um mit den Gefahren der modernen Massengesellschaft des Industriezeitalters fertig zu werden, müsse sich die große Menge von affektiven Vorurteilen, falschen Tabus und infantilen Idealen lösen. Wo Autorität war, soll Ich werden.
Das Leben hat auf der Erde die Fähigkeit entwickelt, die Umwelt seinen Bedürfnissen entsprechend umzugestalten und den zukünftigen Gang der Ereignisse zu beeinflussen. Diese Leistungssteigerung hängt eng zusammen mit der bei der Species Mensch entwickelten Form der genetischen Programmierung des Verhaltens. Der Mensch muß praktisch alles erlernen, angefangen bei den elementarsten sensomotorischen Reaktionen bis hinauf zu den hochkomplexen Denkleistungen. Er lernt zu greifen, zu sehen, zu gehen, zu sprechen, lernt seine Ausscheidungsfunktionen zu kontrollieren, erwirbt manuelle Geschicklichkeiten und entwickelt erstaunliche Talente. Ein kaleidoskopischer Reichtum an kulturformenden Aktivitäten entfaltet sich. Die dazu erforderlichen Anlagen sind ihm natürlich angeboren. Zur Entwicklung und Ausformung seiner latenten Möglichkeiten benötigt er aber geeignete Vorbilder. Er findet sie in der Familie und in der