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Condrau setzt sich mit den katholischen moraltheologischen Fragen auseinander. Da gerade von dieser Seite her der modernen Behandlung seelischer Leiden besonders Widerstand geleistet wird — oft zum Nachteil der Kranken —, kann sein Buch segensreich wirken. Er zeigt, daß richtig verstandenes katholisches Gedankengut keinerlei Hemmung gegen eine verantwortungsbewußte Psychotherapie darstellt. Ja, er geht so weit zu sagen, daß die Unterlassung einer nötigen und möglichen Behandlung, also auch einer Psychotherapie, eigentlich als Sünde zu betrachten sei. Er stellt die katholische der daseinsanalytischen Auffassung des Menschen gegenüber und findet im Prinzip eine weitgehende Übereinstimmung, wenn man die verschiedenen Zusammenhänge dieser Denkweisen betrachtet. Der Mensch erscheint da als ein Wesen, das sich selbst eine Entwicklung schuldig ist, das auch immer schuldig wird, weil es diese von Gott aufgetragene Entfaltung nie genügend leisten kann. Für diese Schuld darf der Mensch aber auf Liebe und Gnade des Schöpfers hoffen, so wie ihm Liebe als tiefster menschlicher Auftrag aufgegeben ist. Versagt er in dieser Liebe, mahnen Schuld, Angst und Leiden. Diese Instanzen sind somit, so schmerzlich ihre Mahnung auch sein kann, hilfreich und stehen im Dienste der Liebe. Schuld wird damit zu Schuld an der Liebe und Angst ist immer Angst, diesen Auftrag zu verfehlen. Liebesmangel führt zu Leiden; oder moraltheologisch gesagt, bewußte Abwendung von Gott ist Sünde. Die daseinsanalytischen und vor allem die moraltheologischen Ausführungen machen den Gehalt dieses Buches aus.
Die Kritik an Freud versucht zu zeigen, wie nahe Freud einem modernen Schuldbegriff gestanden ist, auch wenn er, behindert durch sein notwendigerweise naturwissenschaftliches Menschenverständnis, gerade bei diesem Problem besondere Schwierigkeiten antreffen mußte. Zu versuchen, Freud neu zu verstehen, sei viel fruchtbarer als ihn lediglich nach dem Kriterium „adaequat oder nicht adaequat“ zu testen, wie es leid