You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Verf. unternimmt den Versuch, ein von Zeit, Kultur und Religion unabhängiges Kardinalsymptom („Grundgerüst“) der endogenen Depression und der Schizophrenie herauszuschälen. Er stützt sich dabei auf das Studium von Krankenblättern einer österreichischen psychiatrischen Anstalt, die er bis zum Jahre 1836 zurück gesichtet und ausgewertet hat.
Bei der Depression fiel dem Verf. eine Abnahme der Schuldgefühle, insbesondere religiöser Natur auf; auch die Selbstmordkurve zeigte eine fallende Tendenz, während die Häufigkeit des hypochondrischen Symptoms in allen Zeiten gleich war. Den Wandel im Angstinhalt, in dem anstelle der „Fundamentalangst“ die Existentialangst getreten sei, sieht der Verf. auch als Grundlage vieler neurotischer Störungen an. Als konstantes Phänomen greift er das „Los-Sein“ auf.
Bei der Schizophrenie hebt der Verf. eine Abnahme der überirdischen und eine Zunahme der irdischen pathologischen Inhalte hervor, ferner eine Verschiebung von der „Ich-Gruppe“ zu der „Man-Gruppe“ (man könnte auch von introjektiven und projektiven Mechanismen sprechen. Ref.), was er mit der sich allmählich verwirklichenden Massengesellschaft in Zusammenhang bringt. Die Abnahme optischer und die Zunahme akustischer Sinnestäuschungen führt er auf die zunehmende Tendenz zum Abstrahieren bei Rückbildung des früheren, vorwiegend optischen Denkens zurück, die Abnahme der Aggressivität u. a. auf die negative Auslese bei den früheren Aufnahmen, verständnisvolles Verhalten der Umwelt und einen größeren emotionellen Anteil der Psychose selbst zurück. Die Feststellung, daß man in früheren Zeiten — trotz sehr langer ausführlicher Beschreibung der familiären, sozialen Vorgeschichte und mancher krankhafter Erscheinungen — dem Wahn ohne Interesse gegenüberstand, weist auf die Abwehr der Gesellschaft — von der der einstige Psychiater auch selten ausgenommen war — hin.
Das konstante Merkmal der Schizophrenie sieht der Verf. im „Berührt- und Ergriffenwerden“, ferner in der „Auflösung der Grenzen des