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Wie ich bemerkt habe, besteht ein reges Leserinteresse für die Peterssche Biographie Lou Andreas-Salmes. Das Interesse muß jedoch von der anhaltenden Faszination der Persönlichkeit dieser Frau ausgehen, denn das Buch enttäuscht in seiner Darstellung und in seinem geistigen Stil. Auf 300 Seiten scheint den Biographen am meisten die Frage zu bewegen, ob, wann und wo Lou mit wem wie weit gegangen ist.
Die ersten 18 Lebensjahre werden auf etwa 30 Seiten abgehandelt; eine ins Einzelne gehende Schilderung der Kindheit und der prägenden Beziehungen kann man von der gerafften Darstellung nicht erwarten. Einen etwas größeren Raum nehmen die zahlreichen, mehr oder weniger intensiven Begegnungen mit Persönlichkeiten ein, von denen die meisten längst ihren Platz in der Geistesgeschichte haben: Nietzsche, Rilke, Freud, um die bekanntesten und häufigst erwähnten, Ree, Andreas und Tausk, um die weniger bekannten, aber für Lou Andreas-Salome nicht weniger bedeutungsvollen Namen zu nennen.
Inwieweit Schilderung und Einschätzung der Begegnungen mit Nietzsche und Rilke der Wirklichkeit nahekommen, entzieht sich meiner fachlichen Beurteilung. Die Kenntnisse, die Peters über Psychoanalyse besitzt, sind jedoch so dürftig, daß er weder Lou Andreas-Salomes Verdienste um sie, noch ihre Eigenheiten und Exzentrizitäten in der Analyse beurteilen kann. Lou Andreas-Salome stand 30 Jahre ihres Lebens mit der Psychoanalyse in Berührung, praktizierte sie auch mindestens 20 Jahre lang. Ihr Verständnis war von Anfang an verblüffend einsichtig und klar. Wie es aber ihr Biograph fertigbringt, immer wieder statt des zentralen Begriffes des „Unbewußten“ stets den vulgären des „Unterbewußten“ zu gebrauchen, läßt sich höchstens verstehen, wenn man seine Präokkupation mit gewissen Gedanken berücksichtigt.
Peters bemüht sich um einfühlende Deutung. Das Ergebnis sei mit einem Zitat belegt, dem weitere, ebenso sprechende hinzugefügt werden könnten: „Darin liegt die Tragik der Begegnung zwischen Lou und Nietzsche: