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Wenn berichtet wird, daß in einer psychologischen Abhandlung von Struktur und Entwicklung die Rede ist, von der zentralen Bedeutung der Triebe für unser Erleben, wenn weiter angegeben wird, daß der Verfasser die Psychologie mit der Biologie in Verbindung bringt, daß der Begriff Adaptation in die Betrachtung einbezogen wird, und man dann den Leser fragen würde, zu welcher Schule der Verfasser gehöre, der diese Begriffe gebraucht, wird man mit großer Wahrscheinlichkeit die Antwort erhalten: zur psychoanalytischen. All diese Begriffe finden sich jedoch in Wilhelm Diltheys Abhandlung „Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie“ (1894)1.
In einer früheren Arbeit2 habe ich dargestellt, daß Psychoanalyse zu einem wesentlichen Teil „verstehende Psychologie“ ist, welche zeigt, „wie Psychisches aus Psychischem hervorgeht“. Nicht immer wird das genügend zum Ausdruck gebracht. Sowohl Anhänger als auch Gegner betrachten die Psychoanalyse als eine kausal erklärende, konstruierende Psychologie, welche sich der Denkformen der Physik und Chemie vom Ende des vorigen Jahrhunderts bedient. Sicherlich ist dies eine einseitige Auffassung der Psychoanalyse. Für die nähere Begründung verweise ich auf meine bereits genannte Arbeit.
Beim Studium der Entwicklung der Psychologie, die uns hilft, uns und unsere Mitmenschen besser zu verstehen, und uns eine Einsicht in die Motive angepaßten und unangepaßten Verhaltens eröffnet, hat mich die Arbeit Diltheys immer wieder beeindruckt. Er entwickelt ein Programm, ein Programm von Forderungen. Was muß eine Psychologie leisten, so fragte er sich, die es uns ermöglicht, unsere Mitmenschen und die Erzeugnisse menschlichen Geistes zu verstehen?
Wir werden klarzumachen versuchen, daß die Psychoanalyse in mancher Hinsicht die Forderungen erfüllt, die Dilthey einer Psychologie der Zukunft stellte. Dazu müssen wir Diltheys Ausführungen in ihren Hauptzügen wiedergeben. Er legt dar, daß Literatur-, Rechts-, Staatswissenschaft, Geschichte und Ästhe