You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Meine Bemerkungen zu den Ausführungen von Herrn Plügge möchten zeigen, an welcher Stelle in dem System unserer Sprache die Wendungen stehen, mit denen wir unser Befinden mitteilen können. Das mag dann vielleicht auch noch deutlicher machen, was das eigentlich ist, was wir „Befinden“ nennen.
Herr Plügge hat darauf hingewiesen, wie in den verbalen Äußerungen über das eigene Befinden mediale Formen in den Vordergrund treten, wie aber das Aktiv oder das Passiv des Verbums keinen gleich adäquaten Ausdruck für das Sich-Befinden anbietet. Das Aktiv erfüllt seine volle Bedeutung in den Verben, die, wie der Name „Aktiv“ richtig sagt, ein Handeln, ein Tun bezeichnen. Sage ich aber im echten und prägnanten Sinn: „Ich tu etwas, ich handle“, so impliziert das ein Ziel, eine Intention. Das Bewußtsein von solch einem Telos verbindet sich für uns mit der Absicht, mit dem Willen, das ins Auge Gefaßte zu erreichen. Solche teleologischen Elemente fehlen aber gerade in dem, was Herr Plügge als das Charakterische an dem Sich-Befinden aufgewiesen hat.
Im Passiv hinwieder tritt etwas anderes hervor. Das wird deutlich, wenn wir einem aktiven Satz passivische Struktur geben: „Der Arzt schneidet den Patienten“ oder „den Blinddarm“ – das impliziert eine Absicht, eine Intention. Aber das schwindet, wenn ich sage: „Der Patient“ oder „der Blinddarm wird von dem Arzt“ – oder: „von dem Messer geschnitten.“ Statt des Teleologischen tritt nun das Kausale hervor: Der Arzt schneidet, damit er den Kranken gesund macht – der Patient wird von dem Arzt geschnitten, weil – etwa das Messer eine scharfe Klinge hat. Gewiß, diese Bedeutungs-Nuancen fließen ineinander über, aber auch ohne daß ich das hier des näheren ausführen kann, ist dem aufmerksamen Hinhorchen dieser Unterschied spürbar. Das Passiv zielt nicht auf den Zweck des Handelns, der als ein zukünftiger geplant ist, sondern auf den Urheber, die Ursache, auf die Causa, die als ein Vergangenes hinter dem Handeln gedacht wird. Damit rückt das Gemeinte in