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Seit dem Ende des Dritten Reiches haben die Konzentrationslager und ihre Opfer besonderes Mitgefühl und Interesse erregt. Während in dem ersten NachkriegsJahrzehnt Erlebnisberichte und Beschreibungen der individuellen und sozialen Reaktionen vorherrschten, setzten im zweiten Jahrzehnt intensive Studien der somatischen und psychischen Folgen und Schädigungen ein. Die vielfältigen Erfahrungen in der psychiatrischen Begutachtung Verfolgter, die vor allem im Zusammenhang mit dem Wiedergutmachungsverfahren der deutschen Bundesrepublik erworben wurden, gingen jedoch ohne entsprechende Berücksichtigung von Heilmaßnahmen einher. Das sorgfältige Abschätzen einer verfolgungsbedingten Minderung der Erwerbsfähigkeit steht auch heute noch so sehr im Vordergrund, daß die Frage nach einer etwaigen Psychotherapie wenig gestellt, selten beantwortet und kaum bejaht wird.
Diese Einstellung verwundert nicht in einer Gesellschaft, in der häufig Psychotherapie als Modeerscheinung abgetan wird und führende Wissenschaftler ihren grundsätzlichen Wert bestreiten (siehe z. B. Eysenck, 1965). Andererseits mehren sich nicht nur in der neuen Welt jene Stimmen, die Psychotherapie auch bei Verfolgern befürworten, zumindest um die „weiter gesteckte Forderung einer aus intensivem psychotherapeutischem Umgang stammenden Kenntnis der sich der einfachen Exploration entziehenden tiefenpsychologisch-psychodynamischen Vorgänge“ zu erfüllen.
Seit 1962 wurden in unserer Klinik 17 ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge psychotherapeutisch behandelt. Aus dieser Gruppe wählten wir drei Patienten aus, da ihre Lebens- und Krankheitsgeschichte nicht nur das verschiedene Ausmaß der Störung durch die Lagerexistenz und deren Verknüpfung mit ihrer Persönlichkeitsstruktur deutlich widerzuspiegeln scheinen, sondern weil sich auch im Behandlungsverlauf die besonderen Schwierigkeiten und Möglichkeiten exemplarisch abzeichneten. Wenn auch der Einblick in die psychodynamischen, vor allem die genetischen Zusammenhänge und de