You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die kindliche Adipositas nimmt seit dem Ende des vergangenen Weltkrieges an Häufigkeit und Ausmaß wieder deutlich zu. Mehrere Gründe lassen es deshalb notwendig erscheinen, zur Klärung von Ätiologie und Pathogenese der Fettsucht nach neuen Ansatzpunkten zu suchen:
1. Die Untersuchungen zur Genetik der Fettsucht haben bisher keine greifbaren Resultate erbracht. Die einzigen genetisch begründeten Annahmen nach den Zwillingsuntersuchungen von v. Verschuer (1959) sind, daß die Körperbaustruktur und die Fettverteilung weitgehend erbbedingt sind, während das quantitative Fettgewebswachstum vorwiegend durch peristatische Faktoren beeinflußt wird.
2. Rein somatische Erklärungsversuche der Ätiologie haben offenbar nur Teilkomponenten erfaßt, einer der Gründe, weshalb die bisherigen therapeutischen Bemühungen unbefriedigend blieben und mit einer ungewöhnlich hohen Rezidivquote belastet sind (Bierich 1960, Lloyd et al. 1960, Mullins 1958, Bruch 1957/1960).
3. Die psychologische Betrachtungsweise der Fettsucht blieb häufig in der Peripherie sozialpsychologischer Familienuntersuchungen stecken oder versuchte, die Adipositas im Rahmen der psychoanalytischen Theorie als Symptom einer neurotisch fehlentwickelten Persönlichkeit zu erklären. Die in diesem Zusammenhang gewonnenen Befunde sind oft mißdeutet worden, stellten andererseits aber auch nur einzelne Bausteine zur Erklärung sehr viel komplexerer psychosomatischer Vorgänge dar.
4. In besonders hohem Maße ist die Adipositas hinsichtlich Lebenserwartung und Folgeerkranküngen, wie z. B. Diabetes mellitus, Erkrankungen des Kreislaufsystems oder erhöhte Operationsrisiken, in solchen Fällen belastet, bei welchen die Fettsucht in der Kindheit begonnen hatte und bis ins Erwachsenenalter therapieresistent blieb. Dabei handelt es sich gerade um diejenigen Fälle, welche später für den Internisten ein großes therapeutisches Problem werden (Stunkard 1959/61, Haase und Hosenfeld 1956).