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Es ist ein Vergnügen, zu diesem der Arbeit August Aichhorns gewidmeten Band einen Beitrag liefern zu können; war er es doch, der unserem Verständnis und der Behandlung jugendlicher Delinquenten neue Wege öffnete. Sein bekanntes Buch „Verwahrloste Jugend“ ist ein Schatz praktischer Erfahrung im Umgang mit sozial gestörten Kindern und gab uns darüber hinaus die erste psychoanalytische Orientierung über Fragen der Ätiologie und der Theorie der Verwahrlosung.
Einige Probleme aus diesem Bereich theoretischer Überlegungen sollen hier erörtert werden.
Aichhorn betrachtet die Asozialität als das Ergebnis zweier Formen von Fehlentwicklung der kindlidien Libidostruktur: Die erste tritt beim Prozeß der Umwandlung des Lüstprinzips in das Reälitätsprinzip auf, die zweite ist eine Fehlbildung des Ich-Ideals. Beide stellen Probleme der Ich-Entwicklung dar.
Ein charakteristisches Symptom des dissozialen Kindes besteht nach Aichhorn in seiner Unfähigkeit, die Forderungen der Realität zu erfüllen. Sein Ich kann das Lustprinzip nicht aufgeben; das Kind begegnet den Forderungen der Umgebung mit Widerspenstigkeit oder Rebellion. Das ist die Folge von zwei Extremen falscher Erziehung, die beide eine altersgemäße Anpassung des Kindes verhindern können. Ob es mit übertriebener Nachsicht oder äußerster Strenge behandelt wird, das Ergebnis kann das gleiche sein. Unsere eigene klinische Erfahrung bestätigt diese Behauptung. Fürsorgezöglinge zeigen alle die gleiche Unfähigkeit, auf eine sofortige Befriedigung zu verzichten; und sie wurden fast alle von Eltern oder Erziehern aufgezogen, deren Methoden extrem waren. Entweder waren die Erzieher zu streng und entschädigten das Kind nicht für die Frustrationen an Liebe oder anderen Befriedigungen, oder sie verwöhnten das Kind, bis es nicht mehr fähig war, überhaupt irgendwelche Enttäuschungen zu ertragen, oder aber sie schwankten zwischen beiden Haltungen hin und her, so daß das Kind zu verwirrt war, um zu einer angemessenen Anpassung fähig zu sein.
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