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Die Adoleszenz wird sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht oft als ein „Stiefkind“ der Psychoanalyse betrachtet. Eine Anzahl von Analytikern halten die Behandlung pubertierender Jungen und Mädchen für sehr schwierig, manchmal sogar für unmöglich, obgleich in einigen Fällen gute Ergebnisse erzielt worden sind, insbesondere bei gehemmten, depressiven und zwangsneurotischen Patienten.
Viele Autoren betonen, daß unser theoretisches Wissen über die Adoleszenz unvollkommen sei. Ich werde keine ausführliche Literaturdarstellung geben, mich vielmehr auf die Untersuchungen zu diesem Thema von Leo Spiegel (1951) und Anna Freud (1958) beziehen. Im Rahmen der vielen Probleme der Adoleszenz wird sich meine Arbeit auf zwei Punkte konzentrieren: 1. Einiges aus der praktischen Erfahrung und 2. einige theoretische Erwägungen, besonders im Zusammenhang mit der Bildung des Über-Ichs und des Ich-Ideals.
Anna Freud (1958) hat uns an die Tatsache erinnert, daß „unser Wissen über die seelischen Prozesse der Kindheit aus den Rekonstruktionen in den Analysen von Erwachsenen gewonnen und durch die während der Kindheit vollzogenen Analysen oder Beobachtungen lediglich bestätigt und erweitert wurde“. Anna Freud ist der Ansicht, daß es bei der Behandlung von Erwachsenen selten gelingt, deren Erlebnisse aus der Adoleszenzzeit in voller Intensität zum Wiedererleben zu bringen. Ich nehme an, daß die meisten Autoren mit dieser Feststellung übereinstimmen werden, und ich selbst hatte mich ursprünglich dieser Ansicht angeschlossen.
Vor einigen Jahren kamen jedoch zwei erwachsene Patienten zur analytischen Behandlung zu mir, ein Mann und eine Frau, beide Anfang dreißig, in deren Analyse eine Fülle von Adoleszenzerlebnissen, sowohl wirkliche Ereignisse als auch Phantasien und Triebwünsche, in bemerkenswerter Lebendigkeit und von starken Emotionen und Impulsen begleitet, zum Vorschein kamen. Ich muß hinzufügen, daß dieses Wiedererleben nur in den späteren Phasen der Analyse auftrat. Am A