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Der Band entstammt der Arbeitsgruppe um M. Balint an der Tavistock-Klinik, London, die sich mit der Untersuchung psychologischer Probleme der ärztlichen Allgemeinpraxis befaßt. Bemerkenswert ist, daß Ärzte zunächst sich zusammenfanden, um psychotherapeutische Kenntnisse für den Umgang mit Patienten zu erwerben, daß dann die Gruppe aber nicht endgültig auseinanderging, sondern sich nach einer Unterbrechung wieder traf, um mit Hilfe der erworbenen Kenntnisse einige der zahlreichen psychologischen Probleme der Praxis zu bearbeiten und zu klären. Einer der Arbeitsbereiche hat im vorliegenden Buch seinen Niederschlag gefunden: die dringenden Nacht- und Notrufe, wie sie den Arzt außerhalb seiner regulären Tätigkeit erreichen.
Das Buch baut sich in der von Balint her bekannten und schätzenswerten, anschaulichen Art auf. Durch die Lebendigkeit der Fallschilderungen, Wiedergabe von Diskussionsbemerkungen und kurzer Katamnesen fühlt der Leser unmittelbar in die Überlegungen der Londoner Ärztegruppe sich einbezogen. Die Offenheit der Schilderung und auch der Selbstkritik läßt Licht- und Schattenseiten sehen.
Zur Darstellung werden die Fallberichte von 41 Nacht- und 8 Notrufen ausführlich wiedergegeben. Daten weiterer 16 Patienten werden andeutungsweise erwähnt. Nach Schilderung der Ausgangsposition und der Erfahrungsgrundlage berichtet ein ausführliches Kapitel über die Situation des Patienten, von dem der Notruf ausgeht: Der Notruf ist ein Notsignal, eine spezielle Form der Klage, die den Arzt zwingt oder zwingen soll, Kontakt mit dem Patienten aufzunehmen. Es braucht nicht unbedingt eine Beziehung zwischen dem gegebenen Notsignal und der klinischen Diagnose zu bestehen. Der Ruf ist Ausdruck einer Angstsituation, in die der Patient oder seine Umgebung geraten ist. Der herbeigerufene Arzt, der diese Angstsituation nicht erkennt, wird in dem — ihn dann banal anmutenden — Notsignal häufig ein Täuschungsmanöver sehen. Meist wird der Arzt nicht zu einem einzelnen Patienten, sondern