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Es fällt schwer, dieses Buch zu besprechen. Es bietet feinsinnige Beobachtungen von Kindern und ein schönes klinisches Material. Aber das Material wird in der Theorie nur sehr dürftig zur Geltung gebracht.
Der Autor meint, daß das Bewußtseins-Ich aus dem Konkreten-Ich und dem Phantasie-Ich des Kindes entstehe. Wenn man versucht, diese Interpretation auf Grund des dargestellten Materials zu verstehen, dann scheint das Konkrete-Ich die Wahrnehmung und den frühkindlichen Trotz zu umfassen, das Phantasie-Ich das Phantasieleben und den Hang nach Geborgenheit. Vieles, was Freud als Primärprozeß beschrieben hat, gehört zu dem Phantasie-Ich. Das Gefühlsleben wird theoretisch nur nach dem Gegensatz Abhängigkeit versus Selbständigkeit geordnet, obwohl det Autor in der beigefügten Krankengeschichte Ruths sehr deutlich sehen läßt, in welchem ‚Ausmaße das achtjährige Mädchen nach einer sexuellen Verführung von ihren inzestuösen Wünschen und Ängsten in Anspruch genommen ist.
Sie schläft nicht nur wegen ihrer Ängste im Zimmer der Eltern, sondern tauscht auch jede Nacht mit der Mutter das Bett, um selbst neben dem Vater zu schlafen. Die „Analyse“ bemüht sich um die Erhellung des Traumas, namentlich um die eigene affektive Beteiligung Ruths und endet damit, daß Ruth ihre Einbrecherangst verliert, indem sie realisiert, daß Vater und Einbrecher eigentlich dieselbe Person sind. Ich meine zwar, daß man besser von einer Psychotherapie als von einer Analyse sprechen sollte, weil weder der Widerstand noch die Übertragung durchgearbeitet wurden. Die Krankengeschichte wie alle klinischen Beispiele des Buches legen dennoch ein lebhaftes Zeugnis für den therapeutischen Takt und die gute Einfühlung des Autors in das Kind ab.
Leider kann ich den theoretischen Ausbau gar nicht verstehen. Der Autor meint, das sexuelle Gewand der Schwierigkeiten sei ohne Belang. Freuds Einsichten und alle weiteren Entwicklungen der Ich-Psychologie werden vollkommen negiert, statt dessen bekommen wir das starre Schema