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Satanskult und schwarze Messe, also die Pervertierung der christlichen Liturgie, lassen sich in letzten Ausläufern noch in unserem Jahrhundert nachweisen. Sogar im frühen Bolschewismus waren „rote Messen“ wieder im Schwange, bei denen die Persiflage kirchlicher Riten sich mit erotisch-orgiastischen Kulten vermengte. Trotz dieser Zählebigkeit der Satanskulte gab es keine quellenkundigen Monographien zu diesem Thema auf dem deutschen Büchermarkt.
Gerhard Zacharias hat sich diese Aufgabe nicht leicht gemacht. Er legt viele wichtige Quellen im Urtext und in deutscher Übersetzung vor, die zusammen mit seltenen Bilddokumenten interessante Einblicke in den Satanskult — und am Rande auch in das Hexenwesen — eröffnen. Darin hat Zacharias vorbildliche Arbeit geleistet. Erstaunlicherweise beschränkt der Psychotherapeut Zacharias dann seine Interpretationen auf religionsphänomenologische und historische Gesichtspunkte, während die psychopathologische und soziologische Problematik skizzenhaft bleibt. Wohl werden Beziehungen der Sabbat-Orgien zur Psychologie C. G. Jungs hergestellt, etwa zum kollektiven Unbewußten und zum archetypischen Symbolgehalt der Perversionen. Dann hören wir z. B. in der Nachfolge Jungs: „Im Inzest kommt die Rückkehr in den Zustand einer archaischen Identität des Bewußtseins mit dem durch die Große Mutter repräsentierten kollektiven Unbewußten zum Ausdruck, in der Homosexualität eine Identifizierung mit dem Archetypus des Hermaphroditen, also des androgynen Urmenschen.“ Aber auch solche Ansätze sind bei Zacharias selten. Triebpsychologische Deutungen, die sich bei den orgiastischen, pseudodionysischen Ekstasen anbieten, werden kaum aufgenommen. Selbst dann, wenn Zacharias eine Blaubart-Gestalt wie Gilles de Rays aus dem Dunkel holt, der als Adelsmarschall und als Leibwächter der Jeanne d'Arc begann, um als Massenmörder zu enden, der etwa 140 Kinder schlachtete, um sie „dem Satan zu opfern“, selbst dann stößt der Autor nicht tiefer in die psychopathologische