You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Untersuchungen des Autors führen von jener frühen Epoche der Psychoanalyse, in der S. Freud mit E. Bleuler die ersten wissenschaftlichen Kontakte aufnahm, über die Wege ihrer Entfaltung
bis zum gegenwärtigen Stand ihrer klinischen Anwendung am Burghölzli unter der Leitung M: Bleulers. Von Psychoanalyse hat der Autor eine klare und eindeutige Auffassung, was durch folgenden zusammenfassenden Satz belegt werden kann: „Der Begriff Übertragung deckt somit nicht die ganze Beziehung zwischen Arzt und Patient in der Psychoanalyse, sondern nur den durch die Wiederholung bestimmter, gestörter Libidoentwicklung entstammenden Anteil der Verhaltensweisen des Kranken.“ (S. 5)
Sehr sorgfältig und mit charakteristischen Zitaten wird der Widerstand eines großen und einflußreichen Teiles der deutschsprachigen Psychiatrie und die dabei sichtbaren rationalen und emotionellen Fehlerquellen bis in die subtileren Ablehnungsformen der Gegenwart verfolgt und dargestellt. Durchaus zutreffend erscheint mir der Hinweis, daß sich, wie bei manchen anderen Psychiatern, auch bei E. Kretschmer die Scheu vor dem Ernstnehmen der „Übertragung“, dem Kernstück der Psychoanalyse, in besonders auffälliger Weise in der Entwicklung der sog. zweigleisigen Standardmethode äußere. Ein besonderes Gewicht haben L. Binswangers Überlegungen über das „Erfahren, Verstehen, Deuten in der Psychoanalyse“. Die Auffassung Binswangers, die Psychoanalytiker deuteten, ganz allgemein gesprochen, das Einzelne aufgrund eines schon vorausgesetzten Ganzen, welch letzteres wir wieder aus einzelnem erst gewännen, woher die Wechselbeziehung zwischen Analyse und Synthese und zwischen Induktion und Deduktion bei jeder Deutung oder Auslegung stamme, leuchtet sehr wohl ein und wird auch vom Autor zur Kennzeichnung der Psychoanalyse herangezogen. Meines Erachtens ist es jedoch fraglich, ob die von Binswanger dafür geschaffene Bezeichnung „hermeneutischer Zirkel“ sehr glücklich gewählt ist.
In dem Kapitel über „den psychosozialen Au