You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die vorliegenden Veröffentlichungen zeigen die Homosexualität als Spielball, um nicht zu sagen: als Zankapfel verschiedener Disziplinen. Theologen, Mediziner und Juristen, alle haben das Gefühl, den Hauptbeitrag zur Problemlösung leisten zu müssen, die anderen Gebiete günstigstenfalls als Hilfswissenschaften benützen zu können. Es soll keineswegs bestritten werden, daß die Homosexualität ein vielschichtiges Phänomen darstellt, das verschiedene Wissenschaften tangiert. Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß der vielen Diskutanten ermangelnde Einblick in die Ätiologie es ihnen zwar erleichtert, an ihrem Ausschließlichkeitsanspruch festzuhalten, aber weder der Wahrheitsfindung noch dem Verständnis dient. Die starke affektive Beteiligung der Diskutanten weist darüber hinaus auf tiefere, aber von keinem reflektierte Wurzeln des Interesses an der Thematik hin.
Den schätzenswertesten Beitrag, weil sachlich und ausgezeichnet über das Wesentliche informierend, hat E. Meistermann-Seeger in einem Nachwort zu Buckleys Buch geliefert. Auf wenigen Seiten entfaltet sie als Soziologin und Psychoanalytikerin die wesentlichen Aspekte der männlichen Homosexualität:
ihre Ätiologie, die Ausgangspunkte der Therapie und einige soziologische Aspekte. In dankenswerter Weise referiert sie zusätzlich I. Biebers Untersuchung über Homosexualität (New York, Basic Book, ), ohne deren Kenntnis nicht mehr über dieses Gebiet diskutiert werden sollte.
E. Meistermann-Seeger hebt einige wichtige Erkenntnisse der Psychoanalyse über die Genese der Homosexualität hervor: die Identifizierung mit der Mutter (die weibliche Identifizierung mithin, die nach den Untersuchungen Biebers durch das Fehlen eines aufbauenden, schützenden, warmherzigen Vaters begünstigt wird) und die Persistenz einer unbewußten, weil verleugneten starken Kastrationsangst. Man kann diese Tatsachen auch so ausdrücken: Der Homosexuelle hat seinen Phallus, seine Potenz nicht schätzen und nicht beherrschen gelernt. Er ist ihrer immer unsiche