You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Von der Wiener Schule gingen schon früher wesentliche Impulse für eine dynamische Deutung der höheren Hirnfunktion aus, neben Bonvicinis Beiträgen zur Entwicklung von Sprachstörungen und Schilders Studien zum
Körperschema haben Plötzls Arbeiten über optische Wahrnehmungen und ihre Beeinträchtigungen besondere Beachtung gefunden.
K. Gloning berichtet über eigene Untersuchungen aus der Wiener psychiatrischneurologischen Klinik, die in den Jahren 1950—1963 durchgeführt wurden. Bei 241 Patienten, die unter cerebral bedingten Störungen des räumlichen Sehens und des Raumerlebens litten, fanden sich operativ oder autoptisch Läsionen des Occipitallappens oder der angrenzenden parieto-temporalen Regionen. Im Gegensatz zur klassischen Schule (Broca, Wernicke, Lichtheim, Kleist) wird vom Autor jede Lokalisation ungestörter Hirnleistungen abgelehnt; auch hirnpathologische Syndrome, wie man sie klinisch sieht, stehen in keiner direkten Beziehung zu bestimmten cytoarchitektonischen Arealen. Die mitgeteilten Beobachtungen bestätigen vielmehr die Ansicht, daß neben der Lokalisation und dem Ausmaß eines Herdes die prämorbide Persönlichkeitsstruktur, der Allgemeinzustand des Patienten und psychodynamische Faktoren ebenso von Belang sind wie die geforderten Leistungen.
Die Raumvorstellung des Menschen wird durch die relativ egozentrische Lokalisation bestimmt (Rohracher). Während das Tiefensehen, Vorder- und Hintergrundbildung beim Kind etwa nach dem zweiten bis dritten Lebensjahr abgeschlossen sind, dauert die Entwicklung des Körperschemas wesentlich länger, wahrscheinlich bis in die Vorpubertät hinein, an. Der Sehraum hat zudem eine eigene Metrik, für die nicht die im physikalischen Raum geltenden Gesetze, sondern die der hyperbolischen Geometrie von Bolyai und Lobaschensky gelten. Die zentrale Repräsentation des optischen Raumes ist an die Intaktheit der gesamten Hirnleistung gebunden, sie wird vorwiegend durch ein Zusammenspiel visueller, optomotorischer und vestibulärer Komponent