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Das Studium der gesellschaftlichen Prozesse ist für den Arzt immer wichtiger geworden. Der bekannte Chirurg I. Boerma wies darauf hin, daß das Magenulcus kaum mehr eine chirurgische Erkrankung sei, sondern in den Bereich der Sozialmedizin gehöre. Gilt dies für die Heilkunde im allgemeinen, so gilt es insbesondere für die Psychiatrie und die Psychoanalyse, auch wenn es einer Reihe von Analytikern schwerfällt, das zu akzeptieren. Manchmal habe ich das Werk von Erik H. Erikson abtun hören mit der Bemerkung: Er ist kein Analytiker mehr, er ist Soziologe geworden.
Es bestehen tatsächlich Gefahren in der Richtung, die wir als Versoziologisierung der Psychoanalyse bezeichnen können. Es besteht die Neigung, Ängste, Strebungen und Gefühle, die an die infantile Sexualität und Aggression geknüpft sind, auf soziale Ängste zu reduzieren. Man hat etwa versucht, den Penisneid der Frau durch ihre soziale Position zu erklären oder die Unterwerfungshaltung eines Mannes durch die ihm aufgezwungene Haltung von Seiten einer autoritär organisierten Gesellschaft; es gelingt jedoch nur, diese Haltung zu erklären, sofern man die von der Psychoanalyse entdeckten Zusammenhänge ebenfalls berücksichtigt.
Sowohl die historische als auch die systematische Betrachtung der Psychoanalyse zeigt uns folgendes: Die soziale Dimension gewinnt zunehmend durch diejenigen Momente in der Entwicklung der psychoanalytischen Theorie an Bedeutung, auf die ich hier im weiteren eingehen will.
Heinz Hartmann hat in seiner klassischen Arbeit „Ich-Psychologie und Anpassungsproblem“ auf die fundamentale Bedeutung, die die Kategorie der Adaptation für die Psychoanalyse hat, aufmerksam gemacht. Einer der bedeutendsten psychoanalytischen Theoretiker, E. H. Erikson, hat die Konsequenzen daraus abgeleitet und in seinemp