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Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges befand sich der Autor dieser Studie als Musikstudent im kaiserlichen Deutschland. Als Kanadier wurde er zusammen mit 4000 britischen Bürgern — Professoren, Seeleuten, Bankdirektoren, Musikern, Fabrikarbeitern, Rennreitern und Buchhaltern — in einem Lager auf dem Gelände der Pferderennbahn von Ruhleben im Westen Berlins interniert. Vier Jahre lang wurden dort die durch den Zufall zusammengewürfelten Gefangenen in Stallungen und Baracken unter Arrest gehalten. Getrennt von der Außenwelt waren sie sich völlig selbst überlassen: Niemand schrieb ihnen ihre Tätigkeit vor, niemand reglementierte von außen die Formen ihres Zusammenlebens.
Anfang 1965 erschien nun aus dem Nachlaß des einstigen Internierten J. D. Ketchum, der 1962 als Professor der Psychologie an der Universität in Toronto verstarb, unter dem Titel „Ruhleben“ die ungewöhnliche Story von der Entwicklung dieses Lagers, der den Soziologen, Psychologen und Historiker gleichermaßen faszinierende Bericht vom Werden einer Kriegsgefangenen-Gemeinschaft — ein Bericht, der sich wie eine spannende Biographie liest und der dennoch alle Ansprüche einer wissenschaftlichen Abhandlung erfüllt.
Auf der Grundlage von Briefen, Postkarten und Tagebüchern der Mit-In-haftierten, aufgrund von damaligen Lagerveröffentlichungen und offiziellen