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Die Verfasserin schickt den Berichten über Feldstudieh an fünf primitiven Gesellschaften jeweils ein erklärendes Vorwort voraus, in denen sie die neuerliche Veröffentlichung dieser über 30 Jahre alten Arbeiten rechtfertigen möchte. Eine solche Rechtfertigung ist im deutschen Sprachbereich, in dem ja dem Gebildeten der Aorist immer noch vertrauter ist als die Ergebnisse der „behavioral sciences“, unnötig. Die Schilderungen, die Margaret Mead von ihrem Leben in fünf primitiven Gesellschaften gibt, auf Samoa, bei den Manus auf den Admiralitätsinseln und bei drei Stämmen im Umkreis des Sepikflusses auf Neuguinea, sind plastisch, lebendig, warmherzig und, obwohl für den gebildeten Laien gedacht, in Material und Methodik streng wissenschaftlich.
Es geht der Autorin darum, die prägende Kraft sozialer Faktoren für die Persönlichkeitsentwicklung zu zeigen, wobei die Familie zugleich Repräsentant gesellschaftlicher Kräfte für das Kind ist. Dies tut sie für die geschilderten Gesellschaften ausführlich und sorgfältig. Es gelingt ihr überzeugend, das komplizierte Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen und bestimmter von den einzelnen Gesellschaften akzeptierter Idealvorstellungen in seinen Wechselbeziehungen und in seinem Einfluß auf das werdende Individuum anschaulich zu machen. Das Vorhandensein geschlossener und verhältnismäßig einförmiger Kulturen, in denen Kinderaufzucht, soziale Institutionen, Mythen und Kulte nach im wesentlichen übereinstimmenden Bildern geformt sind, ist als Laboratorium für die Wissenschaften vom Menschen von unersetzlichem Wert. Es sollte genutzt werden, solange die immer zunehmende Kommunikation auf dem Erdball die geschlossenen Weltbilder einzelner Kulturen noch intakt läßt.
Die Gegenüberstellung der heiter-anmutigen Gesellschaft von Samoa, die den in ihr lebenden Menschen von früher Kindheit an ein hohes Maß an sinnlicher Befriedigung zugesteht, aggressive Verhaltensweisen im weitesten Sinne aber einschränkt und ritualisiert, und