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Geniale Kinder durchschnittlicher Eltern sind der Neurose immer dann fast schicksalhaft ausgeliefert, wenn es ihnen nicht rechtzeitig genug gelingt, sich zur Selbständigkeit des leigenen Wesens zu befreien. Das pathographische Dokument „Brief an den Väter“, das der Dichter Kafka fünf Jahre vor seinem Tode schrieb, ist beispielhaft für das Mißlingen dieser für die seelische Gesundheit nötigen Selbstbefreiung. So scheitert Kafka denn auch an den Aufgaben, die im bürgerlich-gesellschaftlichen Sinne das Erwachsenenleben kennzeichnen, Beruf und Ehe.
Kafkas Vater war nun keineswegs ein Bösewicht, sondern ein Durchschnitts-vater des 19. Jahrhunderts, jedoch ganz und gar ungeeignet zum „Erzieher“ dieses hochdifferenzierten, übersensiblen Kindes. Als Selbstzeugnis eines seelisch gemarterten Kindes ist der Brief jedoch auch heute noch, wo die Autorität des Vaters weitgehend entthront ist, von erschütternder Aktualität, weil an die Stelle des Vaters jede beliebige andere Autorität treten könnte, etwa die Mutter, Großeltern oder Lehrer.
Und doch war dies von Ohnmacht, Angst und Verzweiflung durchzitterte