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Die vier Abschnitte dieses Werkes, zwischen 1925 und 1932 als Einzelarbeiten geschrieben und 1935 zum Buch zusammengefaßt, bilden ein geschlossenes Ganzes, das die indische Geisteswelt, indisches Lebens- und Geschichtsgefühl und die indischen Religionsformen in ihrer Andersartigkeit gegenüber dem „abendländischen“ Denken und Daseinsgefühl abhebt. Hier kann nur kurz auf die einzelnen Kapitel hingewiesen werden. In „Der indische Mythos“ arbeitet Zimmer u. a. das zyklische (im Gegensatz zum abendländisch-linearen) Geschieh tsgefühi Indiens heraus, das durch den Einbruch des arischen Mythos vertieft und modifiziert, zuletzt doch in der ewigen Wiedergeburt — auch den Neugeburten unzähliger Welten — jede Vorstellung der Einmaligkeit eines Menschen und eines Geschehens auslöscht und versinken läßt in der ewigen Wiederkehr. Was früher einmal war, ist ebenso Gegenwart und Zukunft, so wie das, was ist und sein wird, zugleich Vergangenheit ist. Wir kennen nur einen Jesus Christus. Von wievielen Buddhas und Bodisathvas aber weiß der Inder.
Auf diesem uns fremden Geschichtsbewußtsein baut sich die altindische politische Lehre vom „Brauch der Fische“ (Der größere frißt den kleineren) auf. Sie ruht auf dem mythischen Untergrund, daß der Herrscher als „Gemahl der Erde“ diese ganz und allein zu besitzen berufen ist und deshalb völlig die naturhafte „Ordnung der Erde“: [Der Größere frißt den Kleineren] zu vollziehen hat. Diese Ordnung kennt den Begriff der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft nicht, da ihr auch der Begriff der Polis (Gemeinwesen) völlig fremd ist. Das moderne Indien befindet sich ja in einer gerade auf politischem Gebiet unerhört schwierigen psychologischen Umstellung. Im übrigen steht bei allen archaischen Völkern ihr „Mythos“ bei der Durchsetzung einer Politik im Wege, die (wie die des Abendlandes) wenigstens theoretisch eine Politik der Verantwortung für die Völker und letztlich auch für die Menschheit sein möchte. Zimmer schafft hier einen wichtigen Ansatz