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Ausgehend von der Beobachtung, daß in den Romanen und Erzählungen Thomas Manns der Suizid eine so große Rolle spielt, soll in der folgenden Untersuchung sein erzählerisches Werk einer analytischen Betrachtung unterzogen werden. Thomas Mann selbst hat in einem Brief an A. von Winterstein vom 6. Dezember seine Abneigung gegen eine rigorose Anwendung der Psychoanalyse auf Werk und Person des Dichters — dort am Beispiel Adalbert Stifters — deutlich bekundet:
… Es ist für mich kein Zweifel, daß die bisherige Stifter-Kritik viel zu sinnig und gutmütig war, um ihrem durchaus seltsamen und oft recht unheimlichen Gegenstand gerecht zu werden. Diesen aber nun der strikten psychoanalytischen Methode unterworfen zu sehen, ist auch wieder nicht recht nach meinem Geschmack, nicht weil ich diese Methode pietätlos finde, obgleich freilich das analytische Vokabular in einem krassen und oft komischen Widerspruch zur Bewunderung steht, — sondern weil ich nicht umhin kann, den Gesichtspunkt als einigermaßen eng und doktrinär zu empfinden. Eine solche Kritik erinnert mich an gewisse streng kommunistische Betrachtungen des Geistigen und Dichterischen. Ich möchte die Tiefenpsychologie nicht als allein seligmachend auf alle großen Erscheinungen der Literatur angewandt sehen, und wenn ich an Sainte-Beuves Essay über Molière denke, der nichts von Sexualsymbolen und Komplexen weiß, so wird mir wohler.
Nichtsdestoweniger sind die Vorteile der analytischen Betrachtungsweise, auch was die bewußtere Würdigung des künstlerischen Werkes angeht, so beträchtlich, daß man ungern auf sie verzichten möchte. Vielleicht wird man Thomas Manns Äußerung am ehesten gerecht, wenn man einen Maßstab in ihr sieht, an dem sich jeder derartige Versuch angewandter Psychoanalyse zu orientieren hat.
Was die Frage der theoretischen Grundlagen dieser Arbeit betrifft, so ist in erster Linie das Werk Freuds zu nennen. Über die Möglichkeit, ein erzählerisches Werk analog zu anderen seelischen Äußerungen, etwa einem Traum, z