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Unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges schrieb Freud am 10. Dezember 1917 an Abraham: „Eigentlich freut mich jetzt nur noch die Einnahme von Jerusalem und das Experiment der Engländer mit dem auserwählten Volk.“ Damit eröffneten sich neue Perspektiven, und der Zustrom zahlreicher Juden zu der kleinen und verstreuten jüdischen Gemeinde in Palästina setzte ein. Die nachfolgende Stabilisierung und die rasche Entwicklung führten dreißig Jahre später zur Gründung des Staates Israel. Die Rückführung einer Nation in ihre alte Heimat erforderte große Kämpfe gegen überwältigende Kräfte: Natur und Mensch; sie brauchte Menschen, die bereit waren, ihr ganzes Leben, ihr Herz und ihre Kraft für diese Sache einzusetzen. Viele der ersten Siedler waren in mehr als nur einer Beziehung Pioniere. Sie kämpften nicht nur für die nationale jüdische Rehabilitierung, sondern auch für eine Gesellschaftsordnung. Man sagte damals scherzhaft, daß die Neuankömmlinge mit ihren wenigen Habseligkeiten auch die Schriften Marx' und Freuds mitbrachten.
1910 kam Max Eitingon als erster Psychoanalytiker nach Palästina. Nur ungern kehrte er nach kurzem Aufenthalt wieder nach Deutschland zurück. Er war sich bewußt, daß die Erfüllung seiner zionistischen Bestrebungen zu jener Zeit das Aufgeben Freuds und der Psyochanalyse bedeutet hätte. Aber er kam nach 25 Jahren wieder, als er die Möglichkeit fand, die beiden Dinge, die ihn am meisten bewegten, gleichzeitig zu verwirklichen, nämlich in Jerusalem eine neue Heimat zu finden und dort die Psychoanalyse zu praktizieren.
Nach der Veröffentlichung der Balfour-Deklaration wurde eine zionistische Kommission ernannt, die 1918 ihre Arbeit in Jerusalem aufnahm. Für die politischen Angelegenheiten war David Eder aus London zuständig; er war der erste Arzt, der die Psychoanalyse in England praktiziert hatte. Während seines vierjährigen Aufenthaltes in Palästina nahmen seine offiziellen Aufgaben so viel Zeit in Anspruch, daß er sich der regulären psych