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In den Jahren 1963-1964 führte ich in der Sowjetunion eine fünfzehnmonatige Forschungsarbeit über die sowjetische Psychotherapie durch. Sie bestand hauptsächlich in direkten Beobachtungen, die ich während dreizehn Monaten als Beobachter therapeutischer Behandlungsstunden am Bechterew-Institut für Psychoneurologische Forschung zu Leningrad anstellte. Einige der Ergebnisse und Schlußfolgerungen dieser Studien sind an anderer Stelle mitgeteilt worden.1 In der vorliegenden Arbeit möchte ich jedoch einen Aspekt der Sowjetpsychiatrie mitteilen, der mir einen tiefen Eindruck gemacht hat. Es ist das betonte Bewußtsein der Sowjetpsychiater von ihrer Rolle innerhalb ihrer Gesellschaft.
Jede Diskussion mit einem Sowjetpsychiater über sein Berufsleben, seine Arbeit und seine Karriere ergab natürlich, daß er keinerlei Privatpraxis hatte. Seine berufliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren aufs engste mit dem Kollèktiv, der Arbeitsgruppe, verknüpft, zu der er gehörte. Das führte dann gewöhnlich zur Erörterung des Platzes der betreffenden Institution im Gesamtnetz der therapeutisch-prophylaktisch-erzieherischen Forschungseinrichtungen der Gemeinde bzw. des Landes, sowie des Beitrages, den er selbst und sein Institut zu dem übergeordneten Ziel der Erhaltung und Verbesserung der seelischen Gesundheit des Volkes leisteten.
Aus diesen Diskussionen entnahm ich, daß der Schwerpunkt sich zunehmend auf die Ambulanzabteilung der Psychiatrischen Kliniken verlagert. Die Gemeinde oder das Gebiet ist in Distrikte unterteilt, jeder mit einer Distriktambulanz, die als örtliches Zentrum für Metallhygiene fungiert. Diese Ambulanz stellt nicht nur Behandlungen für psychiatrische Ambulanzpatienten bereit, die ihr von der medizinischen Poliklinik des Distrikts überwiesen werden, sondern unternimmt auch Psycho-Prophylaxe, Aufsuchen von Fällen und Erziehung zu seelischer Gesundheit.
Im Rahmen seiner psycho-prophylaktischen Arbeit überwacht der Arbeitsstab der Ambulanz den Stand der seelischen Gesu