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Als nach dem Jahre 1945 in Forschung und Lehre freie geistige Arbeit wieder
möglich wurde, war der Hamburger Kliniker Arthur Jores einer der ersten, der eine anthropologisch orientierte Medizin an der Universität anzusiedeln versuchte. Dieser aus vielen Gründen nicht leichten Aufgabe ist er seither als Lehrer und wissenschaftlicher Schriftsteller treu geblieben. Dennoch stellt er im vorliegenden Werk mehrfach fest, daß auch nach 20 Jahren sich nur inselhafte Bezirke an den medizinischen Fakultäten dieser Arbeit widmen und sich entsprechend auch im Studiengang des werdenden Arztes bisher nur wenig geändert hat.
„Menschsein als Auftrag“ ist der großartige Versuch, die jahrhundertelang herrschende dualistische Betrachtungsweise in der Medizin durch das Prinzip der Komplementarität zu ersetzen. Dem für zahlreiche Wissensgebiete so fruchtbaren Denken Teilhard de Chardins folgend, sieht Jores die Ursache für die häufige Verfehlung des Menschseins und damit auch für viele der heutigen Krankheiten in einer Vernachlässigung des „Innen“ infolge einer einseitigen Zuwendung zum „Außen“. Einen neuen Zugang zum „Innen“ in Form einer wissenschaftlichen Methode entdeckte Freud mit der Psychoanalyse. Diese Methode ist ungeachtet aller Divergenzen der sich später entwickelnden Schulen auch heute noch die allen gemeinsame Grundlage.
Die Epochen der Menschwerdung werden mit Hilfe der Werke von Jean Gebser, E. Neumann und wiederum Teilhard aufgezeigt. Im Laufe dieser Entwicklung, die man lieber Entfaltung nennen sollte, weil seit dem ersten Erscheinen des Menschen keine Genmutationen mehr erfolgt sind, hat sich auch das Erscheinungsbild der Krankheit geändert. Bei Pflanze und Tier sind Krankheiten wesentlich von außen bedingt und führen in den meisten Fällen zum Tode, der somit „zum Kunstgriff der Natur wird, viel Leben zu haben“. Die Bekämpfung dieser vorwiegend von außen verursachten Erkrankungen gelang der naturwissenschaftlich orientierten Medizin in einem von ihr selbst kaum erhoff