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Die erste Auflage dieser Arbeit wurde bereits in Psyche 15 (1961/62) S. 778 besprochen. Die jetzt vorliegende vierte Auflage ist erweitert, aber blieb nach der Aussage des Verf. im Kern unverändert. Der Aufsatz, zuerst in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie veröffentlicht, hat seit seinem Erscheinen vor etwa sechs Jahren viel kritischen Widerhall gefunden. In einem Anhang zu dieser Auflage setzt sich Dahrendorf mit einem Teil dieser kritischen Stimmen auseinander.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Begriff der sozialen Rolle. Er wird als Grundkategorie der Soziologie herauspräpariert und für diese Wissenschaft ähnlich konstitutiv verstanden, wie es der Begriff des Atoms für die Physik ist. Dabei knüpft Dahrendorf weitgehend an amerikanische Arbeiten der letzten Jahrzehnte an. Der hier entwickelte Rollenbegriff ist auch für den psychiatrisch und psychoanalytisch interessierten Leser wichtig; vor allem die hierhin gehörenden Arbeiten von Parsons über die Rolle des Arztes und Analytikers und das Buch von Parsons und Bales über die sozialen Rollen innerhalb der Familie sind bekannt geworden.
Im letzten Teil der Arbeit behandelt Dahrendorf die Problematik einer möglichen Deifizierung dieses soziologischen Rollenbegriffs. Die Gefahr besteht, daß der Mensch bloß als Summe seiner sozialen Rollen verstanden wird. Es wird dann seine „moralische“, soziologisch nicht definierbare Dimension aus dem Auge verloren. Dahrendorf knüpft an Kant an, um zu zeigen, daß der Mensch mehr ist als ein „homo sociologicus“. Er ist ein Doppelwesen. Seine Doppelnatur — stets paradox und mißverständlich — offenbart sich durch ein reflektiertes, mehrschichtiges Denken.