You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Freuds Erforschung des Unbewußten war von Anfang an durch eine dynamische Ausrichtung gekennzeichnet. Durch seine Ausbildung bei dem Physiologen Brücke, dem er den bedeutsamsten geistigen Einfluß in seinem Leben zuerkannte, war seine Sicht zutiefst physikalistisch — im Sinne der Helmholtzschen Tradition — geprägt. Daher sah er im „psychischen Apparat“ das Ausführungs- und Steuerungsorgan der biologischen Triebe. Zugleich ließ seine Arbeit über Aphasie [1891] (10) erkennen, daß die physikalistische Betrachtungsweise ihn nicht an dem Versuch hinderte, psychologische Kriterien für die Klassifikation neurologischer Symptome einzuführen.
Diese dynamische Orientierung ist in Freuds frühesten Beiträgen zur Psychologie, den in Zusammenarbeit mit Breuer geschriebenen „Studien über Hysterie“ (15), und in seinen eigenen zeitlich damit zusammenfallenden und späteren Arbeiten deutlich zu erkennen. Die Hauptthesen der Studien und seiner Arbeiten über die „Aktualneurosen“ (jene Neurosen, die er als psychosomatische Folgeerscheinungen bei dafür prädisponierten Individuen mit schädlichen Sexualpraktiken betrachtete) waren, daß der psychische Apparat nur einen bestimmten Grad an Erregung ertragen kann und daß beim Fehlen adäquater Abfuhrmechanismen, seien sie psychischer oder somatischer Art, Symptome gebildet werden. Bei der Hysterie war es in der Hauptsache die psychische Erregung, die Abfuhr erforderte, bei den Aktualneurosen, beispielsweise den Angstneurosen, die Freud beschrieb, war es die somatische.
Aufgrund seiner frühen Studien formulierte Freud Konzepte, die die psychoanalytische Betrachtung psychosomatischer Krankheiten zutiefst beeinflußt haben, obwohl die Implikationen nicht immer völlig integriert wurden. Der zeitlich erste Begriff war der von der „Konversion“1. In „Die Abwehr-Neuropsychosen“ [1895] (11) sagt Freud:
„Bei der Hysterie erfolgt die Unschädlichmachung der unverträglichen Vorstellung dadurch, daß deren Erregungssumme ins Körperliche umgesetzt wird, wofür ich de