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Dieses Werk wurde zur Sechshundertjahrfeier der Universität Wien, der ältesten im deutschen Sprachgebiet, veröffentlicht. Professor Erna Lesky, Inhaberin des Lehrstuhls für Medizingeschichte, setzt mit dieser historischen Abhandlung die von ihrem berühmten Vorgänger, Max Neuburger , begründete Tradition würdig fort.
Aus mehreren Gründen ist das Buch für den Psychoanalytiker von Interesse. Es breitet vor uns die Geschichte eines Zeitraums aus, in welchem die Fundamente der modernen Medizin gelegt wurden. Historische Ereignisse rollen vor unserem Auge ab, die den Lauf der Entwicklung der Medizin im neunzehnten Jahrhundert in Wien bestimmten. Wohl kein Wissenszweig kann sich eines ähnlichen Fortschritts rühmen, wie ihn die Wiener Medizinische Fakultät zwischen 1800 und 1900 erlebte. Es ist faszinierend, einer derartigen wissenschaftlichen Entwicklung nachzuspüren und die zeitlichen und örtlichen Faktoren zu erwägen, die zu ihr beitrugen. Zugleich gewinnt man Einblick in die nicht einfachen internen Beziehungen innerhalb der Medizinischen Fakultät der Universität, an welcher Freud seine wissenschaftliche Ausbildung erfuhr, und man überblickt einen wichtigen Teil des kulturellen Hintergrundes, der für Freuds Entwicklung entscheidend war.
Zunächst wird die Lage zu Beginn des Jahrhunderts geschildert. Für den Analytiker von besonderem Interesse ist die große Rolle, die der Brownianismus damals in Wien spielte. Nach Browns Lehren ist das Leben „nichts anderes als ein durch Reize erzwungener und erhaltener Zustand, in dem von außen und innen her Reize … auf eine Kraft des belebten Körpers einwirkten“ (S. 23). John Brown , der berühmte schottische Autor der „Elementa Medicinae“, nannte diese Kraft „Erregbarkeit“, „zum Unterschied von der Erregung, die sich ihm als das Produkt von Erregbarkeit und Reiz darstellte“. Gesundheit war danach „der mittlere Grad der Erregbarkeit“. Hier scheint eine wichtige historische Wurzel zu Freuds frühen Hypothesen zu liegen, die noch nicht erfors