You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die intensive Familientherapie, in Europa noch kaum bekannt, hat in den Vereinigten Staaten einen fruchtbaren Boden gefunden. Hier hat sie sich in den letzten fünf Jahren beinahe stürmisch entwickelt. Ihre wichtigsten Zentren waren bisher Washington (Lyman Wynne, Murray Bowen, Warren Brodey und deren Mitarbeiter), Palo Alto (Gregory Bateson, Don Jackson, Jay Haley und Mitarbeiter), Philadelphia (Ivan Boszormenyi-Nagy und James Framo) und neuerdings Atlanta (John Warkentin, Carl A. Whitaker). Dieses Buch, das bisher reichste und umfassendste seiner Art, behandelt die theoretischen und praktischen Aspekte dieses noch unkonventionellen Arbeits- und Forschungsgebietes.
Insgesamt vier der zwölf Beiträge stammen von den beiden Herausgebern, Ivan Boszormenyi-Nagy und James Framo. Besonders interessante Aufsätze lieferten ferner Lyman Wynne, Murray Bowen, Ronald D. Laing und Harold Searles.
Die beschriebenen Erfahrungen und theoretischen Vorstellungen wurden größtenteils an Familien mit schizophrenen Patienten gewonnen. In diesen Familien zwang sich den Beobachtern der Eindruck auf, daß nicht der diagnostizierte Schizophrene, sondern die ganze Familie Patient ist. Der sog. designierte Patient erschien dabei als das Opferlamm, als derjenige, der — in der Beschreibung Murray Bowens — die Familienprojektionen an sich bindet. (Es ist eine geläufige therapeutische Erfahrung in der individuellen Arbeit mit Schizophrenen, daß in dem Augenblick, wo der Patient wirkliche Fortschritte macht, das emotionale Familiengefüge zusammenbricht.) In der intensiven Familientherapie wird somit der individuelle Krankheitsbegriff gleichsam aufgelöst und die Pathologie an die Familie rückverteilt. In diesem Drama offenbaren sich dann subtile und verwirrende Kommunikationsprozesse — Bateson, Wynne, Laing und Searles vor allem haben sie beschrieben —, wechselnde Allianzen und oft tiefe Ängste und Erschütterungen. Oft scheinen alle Ich-Grenzen zu verfließen. (Bowen spricht in diesem Zusammenhang von ei