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René Spitz, der schon viele wichtige Untersuchungen über die ersten Lebensjahre des Kindes vorgelegt hat, gibt in diesem Buche eine vorzügliche Ausarbeitung und eine gute Übersicht der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf diesem Gebiet.
Lange Zeit war das erste Lebensjahr ein unerforschtes Feld der Psychologie. Der Säugling sagt nun einmal nicht, was er meint. Zahlreiche Autoren unternahmen Rekonstruktionen der psychischen Vorgänge, denen sie aus den Analysen erwachsener Neurotiker und Psychotiker gewonnene Einsichten zugrunde legten. Freud kam auf diesem Wege zur Beschreibung der ersten Entwicklungsstufe der Libido in der oralen Phase. Seine Einsichten wurden von Abraham, gestützt auf die Analysen von manisch-depressiven Patienten, weiter ausgearbeitet. Aber Freud tat auch schon den ersten Schritt zur direkten Beobachtung und Interpretation des Beobachteten mit Hilfe analytischer Vorstellungen. Er erläuterte sein Vorgehen am Spiel eines anderthalbjährigen Kindes, dem „Oh-Spiel“, dem lustvollen Hinauswerfen der Spielsachen aus der Gehschule. Freud bringt dieses Spiel mit dem Fortgehen und Wiedererscheinen der Mutter in Verbindung. In Spitz' Beschreibung der „Achtmonatsangst“ findet Freuds Beobachtung eine Erweiterung.
Spitz hat die Methode der direkten Beobachtung gefördert; indem er die gesamte analytische Theorie auf das Wahrgenommene anwandte, hat er die Direktbeobachtung zur höchsten Verfeinerung entwickelt. Seine Kenntnis der analytischen Theorie ist gründlich und lebendig; man spürt an jeder Stelle, daß er die Entwicklung der Theorie selbst miterlebt und mitgestaltet hat.
Aber nicht nur die analytische, sondern auch die akademische Psychologie findet bei ihm Anerkennung. Die Verwendung der drei Methoden der klinischen Beobachtung, analytischen Rekonstruktion und psychologischen Testuntersuchung hebt die Kenntnisse über das erste Lebensjahr in den Bereich des exakten Wissens hinauf. Spitz hat schon lange sehr originelle und interessante Experimente mit Säuglingen g