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In ihren Bemerkungen zu der Arbeit „Grief and Mourning“ von John Bowlby erwähnt Anna Freud (1960) die Analysen junger KZ-Opfer, die von Geburt beziehungsweise von früher Kindheit an dem wiederholten Trauma der Trennung von ihren Beziehungspersonen ausgesetzt waren; sie sprach die Erwartung aus, daß diese Fälle uns Genaueres über die Zusammenhänge zwischen früher Trennung und späterer Pathologie sagen könnten. Die folgende Arbeit beruht auf der Analyse eines dieser Kinder und stellt den Versuch dar, den Störungen der Persönlichkeitsentwicklung nachzuspüren, die unter dem Druck eines solchen Schicksals sich ergeben müssen.
Die frühe Lebensgeschichte der Patientin Elisabeth, soweit sie bekannt ist, besteht aus einigen wenigen isolierten Daten, die sich allmählich durch die Aussagen anderer Kinder in ihrer Gruppe oder deren Angehöriger zusammenfügen ließen. Sie selbst besaß überhaupt keine Erinnerungen an die Zeit vor ihrer Ankunft in England, außer einigen wenigen unzusammenhängenden Bildern. Man nimmt an, daß Elisabeth und ihre etwas ältere Schwester Helene in der Tschechoslowakei geboren wurden und ohne ihre Eltern in das Konzentrationslager von Auschwitz eingeliefert worden waren. Jedenfalls fanden sich die Namen der beiden Kinder in den Büchern des Lagers ohne die Namen von Eltern oder anderen Verwandten. Die Kinder besaßen auch keine Lagerpapiere, nur eine Nummer, die ihnen auf dem Arm tätowiert war.
In Auschwitz lebten die Kinder in einer Gruppe von acht Kindern, die aus unbekannten Gründen am Leben gelassen wurden. Das älteste dieser Kinder, ein Junge namens Charlie, übernahm die Rolle des schützenden großen Bruders; überlebende Erwachsene berichteten, daß er den Kindern seiner Gruppe tatsächlich das Leben rettete. In dem ständigen Kampf gegen die verhaßten Lagerwachen hatte er den Kleinen beigebracht, sich morgens beim Appell einfach nicht zu melden, sondern sich unter ihren hölzernen Pritschen zu