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Nicht nur wer als behandelnder oder begutachtender Arzt und Psychiater, sondern auch wer als Allgemein-Mediziner, Wissenschaftler oder überhaupt als suchender und forschender Denker auf menschenkundlichem Gebiet (d. i. als Psychologe, Soziologe, Historiker, Philosoph, Jurist, selbst als Chronist menschlicher Zeitläufe) Einblick in jenen Sektor seelischer Verwüstungen nehmen will, die durch das grausige Geschehen der Jahre 1933 bis 1945 im Seelenleben zahlloser Menschen angerichtet wurden und die uns heute, ein Vierteljahrhundert später, in Gestalt von tragischen Einzel- und Gruppenschicksalen in concretu et situ, nämlich über alle Weltteile verstreut, immer wieder begegnen, der greife zu dem aufschlußreichen Werk „Psychiatrie der Verfolgten“ der drei Heidelberger Psychiater von Baeyer, Häfner und Kisker. Es ist ein Werk, das in vielem weit über das begrenzte Fachgebiet des Psychiaters als Nervenspezialist und Kliniker hinausreicht und das insbesondere in seinen ersten Kapiteln („Zur Soziologie des Terrors“, „Typische Verfolgungsschicksale“, „Psychopathologie extremer Belastungssituationen“) den Ablauf jener Schicksale unter der zerstörenden Einwirkung von Diskriminierung, Verfemung, Ächtung, Terrorerlebnissen, KZ-Lagern, menschlich-psychologisch zu erhellen und wissenschaftlich darzustellen versucht. Für den Arzt und Facharzt, der sich als Psychotherapeut, vor allem aber als Gutachter, medizinisch-forensischer Sachverständiger, Medizinalbeamter usw. beruflich mit den Problemen der Verfolgungspathologie und Entschädigungsmedizin zu befassen hat, ist die gründliche Kenntnis des Buches unerläßlich.
Dies sei daher meiner Buchbesprechung nachdrücklich vorausgestellt: Hier ist dem in der Praxis oder in der Bürokratie arbeitenden Berufskollegen — insbesondere dem Amtsarzt, dem Gerichtssachverständigen, dem Vertrauensarzt der deutschen Konsulate im Ausland, dem im Entschädigungsdienst tätigen Medizinaldezernenten im Inland, d. h. denjenigen medizinischen Amtsstellen, die so