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Fast jede Abhandlung über Perversionen beginnt, nachdem der Leser auf die Schwierigkeiten des Themas hingewiesen worden ist, mit einer Definition dessen, was eine Perversion ist und was nicht. Es gibt nun drei Grundtypen solcher Definitionen, die sich in der Literatur mehrfach wiederholt haben. Es handelt sich gewiß um ernstzunehmende Versuche, aber sie sind alle drei etwas unexakt und daher irreführend.
Den ersten Typ könnte man den biologischen nennen. Er benutzt den Begriff der Fortpflanzung als Unterscheidungsmerkmal zwischen normalem Geschlechtsverkehr und Perversion. Nach dieser Definition würden schon Onanie und die Verwendung von Verhütungsmitteln zu den Perversionen gehören. Das trifft nun sicherlich nicht zu; weder Onanie noch Coitus reservatus sind Perversionen, obwohl sie in seltenen Fällen zu einem unwesentlichen Symptom einer kompliziert konstruierten Perversion werden können.
Der zweite Typ der Definition, der auf Freud und seine „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“1 zurückgeht, unterstreicht das Fortbestehen infantiler Formen der sexuellen Triebbefriedigung beim Erwachsenen. Das war eine sehr fruchtbare Idee. Sie stützt sich auf die Vorstellung von Partialtrieben und die verschiedenen Organisationen der Libido. Leider schließt diese Definition aus den Perversionen einerseits viele Formen der Homosexualität, andrerseits solche der sadomasochistischen Gruppe aus, die ja (besonders die ersteren) keineswegs Reste infantiler Lustbefriedigungen darstellen, sondern spätere Entwicklungen sind.
Der dritte Typ von Definition beruht auf der Theorie von den Objektbeziehungen. Als Unterscheidungsmerkmal zwischen Genitalität und Perversion gilt der Mangel an eigentlicher Liebe für das menschliche Objekt oder das Vorwiegen unreifer Formen der Liebe bei den Perversionen. Aber jeder, der einmal Homosexuelle behandelt hat, weiß, daß bei ihnen praktisch die ganze Skala von Liebe und Haß vorhanden sein kann, die man auch in der Heterosexualität findet.
Um einen ersten Über